Becher auf Korkuntersetzer auf hellem Tisch im warmen Morgenlicht, daneben der Schatten einer Pflanze

Cranberry bei Blasenentzündung: Was Studien zeigen

„Trink doch Cranberry“ hast du wahrscheinlich öfter gehört, als dir lieb ist, und ganz falsch ist der Rat nicht: Frauen mit wiederkehrenden Infekten, die mit Cranberry Blasenentzündungen vorbeugten, hatten laut Cochrane-Analyse 2023 ein etwas geringeres Risiko für eine im Labor bestätigte Blasenentzündung, etwa 18 statt 24 von 100. Damit du das einordnen kannst, sagen wir gleich vorweg, wer hier schreibt: Wir verkaufen kein Cranberry, sondern ein Pflaster für Frauen, deren Blasenentzündungen mit dem Sex zusammenhängen. Darum zeigen wir alle Zahlen, auch die, die für Cranberry sprechen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut Cochrane-Analyse 2023 senken Cranberry-Produkte bei Frauen mit wiederkehrenden Blasenentzündungen das Risiko etwas: von etwa 24 auf etwa 18 von 100 Frauen (moderate Vertrauenswürdigkeit).
  • Cranberry kann nur vorbeugend helfen und nur, solange man es einnimmt; zur Behandlung einer akuten Blasenentzündung gibt es keine aussagekräftige Studie, die einen Nutzen zeigt.
  • Welche Form (Saft oder Kapsel) und welche Menge Proanthocyanidine (PAC) nötig sind, ist ungeklärt; die oft genannten 36 mg PAC stammen aus einer französischen Behördenbewertung von 2004 zu einer Werbeaussage über das Anhaften von E. coli; eine in Studien mit echten Infekten belegte Dosis ist das nicht.
  • Wer Blutverdünner nimmt oder schon Nierensteine hatte, sollte Cranberry-Präparate vorher mit Ärztin oder Apotheke besprechen.
  • Zur Einnahme gezielt rund um den Sex haben wir keine Studie gefunden; Cranberry ist eine tägliche Dauereinnahme, die über den Urin wirken soll.

Was ist Cranberry? Die Cranberry (Großfrüchtige Moosbeere, Vaccinium macrocarpon) ist eine nordamerikanische Beere, die als Saft, Kapsel oder Tablette zur Vorbeugung wiederkehrender Blasenentzündungen genommen wird. Ihre Proanthocyanidine (PAC) sollen verhindern, dass E.-coli-Bakterien an der Blasenwand haften.

Wenn deine Blasenentzündungen immer nach dem Sex kommen, zeigen wir dir am Ende außerdem einen Weg vor dem Sex und ohne Wirkstoff.

Hilft Cranberry gegen Blasenentzündungen? Die kurze Antwort

Ja, ein wenig, und zwar vorbeugend bei Frauen, die immer wieder Blasenentzündungen haben. Die beste Zusammenfassung aller Studien, die Cochrane-Analyse von 2023, fand bei ihnen ein um etwa ein Viertel geringeres Risiko für eine im Labor bestätigte Blasenentzündung mit Beschwerden. Die Vertrauenswürdigkeit gilt als moderat.

Drei Einschränkungen gehören dazu. Erstens wirkt Cranberry nur während der Einnahme. Zweitens ist offen, welche Form und welche Menge nötig sind. Drittens hilft Cranberry nicht bei einer Blasenentzündung, die schon da ist. Wundermittel ist sie also keins, Mythos aber auch nicht.

Wie Cranberry wirken soll: Proanthocyanidine und E. coli

Rund drei Viertel der unkomplizierten Harnwegsinfekte gehen auf das Darmbakterium E. coli zurück: In einer bundesweiten Studie fand es sich in 75,4 % der positiven Urinkulturen. Um in der Blase Fuß zu fassen, halten sich E.-coli-Bakterien mit feinen Härchen, sogenannten Fimbrien, an der Blasenwand fest. Fast alle Stämme aus Blasenentzündungen tragen Typ-1-Fimbrien, etwa vier von zehn zusätzlich P-Fimbrien; diese gelten vor allem bei Nierenbeckenentzündungen als wichtig.

Darauf baut die Idee auf. Cranberrys enthalten Proanthocyanidine (PAC), und diese Stoffe hemmen im Labor, dass P-fimbrierte E. coli an Zellen der Blasenwand haften. In einer kleinen, doppelblinden Studie mit 32 Freiwilligen hemmte Urin nach der Einnahme von Cranberry-Pulver das Anhaften der Bakterien deutlich stärker als nach Placebo. Der Effekt hing von der Dosis ab und hielt mit der höchsten Menge (72 mg PAC) bis zu 24 Stunden an.

Das waren Labortests mit Urinproben, keine Zählung echter Blasenentzündungen. Der Mechanismus ist also plausibel. Ob er im Alltag reicht, müssen Studien mit echten Infekten zeigen.

Cranberry & Blasenentzündung: Was Cochrane, IQWiG und Leitlinien sagen

Die Cochrane-Analyse von 2023 bündelt 50 Studien mit 8.857 Teilnehmenden. Für Frauen mit wiederkehrenden Blasenentzündungen (8 Studien, 1.555 Frauen) heißt das in absoluten Zahlen: Ohne Cranberry hatten etwa 24 von 100 Frauen eine im Labor bestätigte Blasenentzündung mit Beschwerden, mit Cranberry etwa 18 von 100. Der wahrscheinliche Bereich reicht von 13 bis 24, die obere Grenze liegt also fast beim Wert ohne Cranberry. Gezählt wurde nur während der Einnahme, die Studien liefen mindestens einen Monat.

Das IQWiG kam 2022 in einem eigenen Bericht zu pflanzlichen Mitteln (15 Studien, die meisten mit Cranberry) zu einer ähnlichen Richtung, aber mit anderen Zahlen: Mit Placebo hatten etwa 8 von 100 Frauen innerhalb von drei Monaten mindestens eine Blasenentzündung, mit einem Cranberry-Präparat etwa 5 von 100. Anders gesagt: 3 von 100 Frauen blieb in drei Monaten eine Blasenentzündung erspart. Die beiden Zahlenpaare stammen aus verschiedenen Auswertungen und lassen sich nicht verrechnen.

Die Leitlinien sind sich in der Richtung einig, in der Stärke nicht. Die deutsche S3-Leitlinie von 2024 nennt Cranberry als Option, die angeboten werden kann. Laut DEGAM-Anwenderversion (2025) können Cranberries das Risiko wiederkehrender Infekte reduzieren, wegen der sehr unterschiedlichen Präparate sei aber keine Empfehlung zu Dosis und Dauer möglich. Die europäische Urologen-Leitlinie (EAU 2026) empfiehlt Cranberry stark und bevorzugt dabei Saft, nennt die Belege aber zugleich von niedriger Qualität und widersprüchlich.

Studienlage auf einen Blick

Quelle, Jahr Wer wurde untersucht Ergebnis (absolut, wo möglich) Einordnung
Cochrane-Analyse 2023 Frauen mit wiederkehrenden Infekten, 8 Studien, 1.555 Frauen etwa 24 → 18 von 100 mit bestätigter Blasenentzündung, nur während der Einnahme belegt, moderate Vertrauenswürdigkeit
Cochrane-Analyse 2023 Kinder (5 Studien) und Menschen nach medizinischen Eingriffen (6 Studien) Risiko etwa halbiert (RR 0,46 bzw. 0,47) belegt für diese Gruppen, keine Dosis für Kinder ableitbar
Cochrane-Analyse 2023 ältere Menschen in Heimen, Schwangere, Blasenentleerungsstörung kaum oder kein Unterschied nicht belegt
IQWiG-Bericht 2022 Frauen mit wiederkehrender unkomplizierter Blasenentzündung (Bericht zu pflanzlichen Mitteln, 15 Studien, die meisten mit Cranberry) etwa 8 → 5 von 100 in 3 Monaten belegt, kleiner Effekt
Moro u. a. 2024 20 Studien, 3.091 Personen, Netzwerk-Meta-Analyse Cranberrysaft: 27 % weniger Infekte als mit Placebo-Getränk, 54 % weniger als ohne Behandlung Richtung bestätigt, Vergleichsgruppe entscheidend
Maki u. a. 2016 373 Frauen mit kürzlichem Infekt, Ø 41 Jahre, 240 ml Saftgetränk täglich, 24 Wochen 39 statt 67 ärztlich festgestellte Infekte; bei laborbestätigten Infekten kein Unterschied gemischt, Mitautoren beim Getränkehersteller
Barbosa-Cesnik u. a. 2011 319 Studentinnen nach akutem Infekt, zweimal täglich 240 ml Saft, 6 Monate etwa 20 % (Cranberry) vs. 14 % (Placebo) mit erneutem Infekt, Unterschied nicht signifikant kein Nutzen gezeigt
Leitlinien S3 2024, DEGAM 2025, EAU 2026 Frauen mit wiederkehrenden Infekten „kann angeboten werden“ (S3), „kann das Risiko reduzieren“ (DEGAM), starke Empfehlung bei schwacher Evidenz, bevorzugt Saft (EAU) empfohlen als Option, ohne Dosis

Warum sich die Studien widersprechen

Wer „Cranberry Studie“ sucht, findet „wirkt“ und „wirkt nicht“. Dafür gibt es Gründe.

Die alte und die neue Cochrane-Fassung. Viele Ratgeberseiten berufen sich noch auf die Cochrane-Fassung von 2012. Sie fand keinen gesicherten Nutzen und konnte Saft zur Vorbeugung nicht empfehlen. Für Frauen mit wiederkehrenden Infekten lag die Schätzung schon 2012 bei einem relativen Risiko von 0,74, also genau dort, wo sie 2023 liegt. Damals reichte die Unsicherheit aber von 0,42 bis 1,31 und schloss „kein Effekt“ ein. Mit weiteren Studien wurde der Bereich enger (0,55 bis 0,99). Die Fassungen widersprechen sich also weniger, als Schlagzeilen vermuten lassen; die neue ist schlicht genauer.

Einzelstudien mit jungen Frauen. In einer doppelblinden Studie mit 319 Studentinnen zeigte Cranberrysaft keinen Nutzen: Mit Saft hatten etwa 20 % einen erneuten Infekt, mit Placebo etwa 14 %; der Unterschied war statistisch nicht gesichert. Das Placebo enthielt wie der Saft Vitamin C. Die Studie war allerdings darauf ausgelegt, eine Halbierung der Infekte zu finden, und rechnete mit 30 % Rückfällen. Tatsächlich waren es insgesamt nur 16,9 %. Kleinere Effekte konnte sie kaum erkennen. Ähnlich eine Studie mit 176 Frauen vor den Wechseljahren: weniger Infekte mit Saft, aber statistisch nicht gesichert.

Was genau gezählt wird. In der Studie mit 373 Frauen (Durchschnittsalter knapp 41) gab es mit Cranberry 39 statt 67 ärztlich festgestellte Infekte. Bei der Zeit bis zum ersten im Labor bestätigten Infekt fand sich aber kein Unterschied. Zwei Mitautoren arbeiteten beim Hersteller des Getränks. Das macht das Ergebnis nicht falsch, gehört aber zur Einordnung.

Die Menge der Wirkstoffe ist unklar. Es gibt bis heute keine allgemein anerkannte Methode, den PAC-Gehalt zu messen. Viele Studien geben nicht einmal an, wie viel PAC ihre Präparate enthielten. Die oft genannten 36 mg PAC am Tag gehen auf die französische Lebensmittelbehörde AFSSA zurück, die 2004 mindestens diese Menge für eine Werbeaussage über das Anhaften von E. coli an der Harnwegswand für nötig hielt; 2011 hielt dieselbe Behörde, inzwischen ANSES genannt, eine Aussage zur Vorbeugung von Infekten für irreführend. Eine in Studien mit echten Infekten belegte Dosis ist das nicht. Die Cochrane-Analyse fand zwischen niedrigen, mittleren und hohen PAC-Dosen keinen Unterschied, allerdings nur in zwei Studien mit sehr unsicheren Daten.

Saft ist schwer durchzuhalten. Bei Saft über lange Zeit war geringe Therapietreue häufig, in einer Schwangerenstudie brachen viele wegen der Saftmenge ab. Wer nicht mehr trinkt, verdünnt das Ergebnis.

Was „54 Prozent weniger“ heißt

2024 machte eine Netzwerk-Meta-Analyse Schlagzeilen: Cranberrysaft senke Harnwegsinfekte um 54 %. Das stimmt, aber nur im Vergleich mit Gruppen, die gar nichts bekamen. Im Vergleich mit einem Placebo-Getränk waren es 27 % weniger. Der Unterschied ist wichtig, denn schon mehr zu trinken kann helfen: In derselben Auswertung senkten zusätzliche Getränke die Infektrate gegenüber keiner Behandlung. Und in einer Studie mit 140 Frauen, die wenig tranken, hatten diejenigen mit 1,5 Litern Wasser extra am Tag in einem Jahr im Schnitt 1,7 Blasenentzündungen, die Vergleichsgruppe ohne zusätzliches Wasser 3,2. Die Studie war offen, also nicht verblindet.

Fällt dir eine Prozentzahl zu Cranberry auf, frag deshalb immer, womit verglichen wurde und bei wem.

Saft, Muttersaft oder Kapseln: worauf du achten kannst

Welche Form besser wirkt, weiß niemand: Die Cochrane-Analyse fand dazu nur Daten mit sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit. Bei der Wahl helfen deshalb eher praktische Fragen: Was hältst du über Monate durch, wie viel Zucker willst du dafür trinken, und was passt zu deinen Medikamenten?

Form Menge in Studien PAC-Angabe Zucker Studienbasis
Cranberry-Saftgetränk (gesüßt, oft Nektar) 240 ml täglich (Maki 2016) bis zweimal 240 ml (Barbosa-Cesnik 2011) meist keine etwa 29–30 g pro 240 ml (US-Daten) gemischt, eine positive und eine negative große Studie
Ungesüßter Saft, „Muttersaft“ in Studien selten getrennt ausgewertet meist keine deutlich weniger als Saftgetränke (frische Cranberrys: etwa 4 g Zucker pro 100 g, US-Daten); Etikett prüfen unklar
Kapseln, Tabletten, Pulver sehr unterschiedlich oft angegeben, Messmethoden uneinheitlich; für ein bestimmtes, als neuartiges Lebensmittel zugelassenes Cranberry-Extraktpulver gilt in Nahrungsergänzungsmitteln eine Höchstmenge von 350 mg am Tag je nach Produkt, Etikett prüfen Teil der Cochrane-Daten, Dosis-Wirkung unklar
Getrocknete Cranberrys keine Präparatestudien keine etwa 60–70 % Zucker nicht belegt

Drei Dinge helfen beim Einkauf. Erstens: Schau aufs Etikett, nicht auf die Vorderseite. Saftgetränke und Nektare enthalten oft zugesetzten Zucker; die Verbraucherzentrale rät zu ungesüßten Säften statt Nektar oder Saftgetränk. Zweitens: Gesundheitsversprechen auf der Packung sind kein Beleg. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat beantragte Gesundheitsaussagen zu Cranberry und den Harnwegen mehrfach geprüft und die Belege jedes Mal als nicht ausreichend bewertet. Drittens: Cranberry-Präparate werden teils als pflanzliche Arzneimittel, teils als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Laut IQWiG durchlaufen sie kein Zulassungsverfahren, in dem die Wirksamkeit nachgewiesen werden muss.

Wenn du Cranberry ausprobieren möchtest, leg mit deiner Ärztin einen Zeitraum fest und zieh danach Bilanz. Die großen Studien liefen meist etwa sechs Monate. Ein Tagebuch, in dem du Infekte, Sex und Einnahme notierst, macht das Gespräch leichter. Die Kosten trägst du meist selbst; für pflanzliche Präparate nennt das IQWiG je nach Mittel etwa 60 bis 300 Euro für sechs Monate (Stand 2022). Eine Übersicht aller Wege, auch ohne Cranberry, findest du in Blasenentzündung vorbeugen.

Hilft Cranberry, wenn die Blasenentzündung schon da ist?

Nein, dafür gibt es keinen Beleg. Die Cochrane-Gruppe hat 2023 gezielt nach Studien gesucht, die Cranberry zur Behandlung einer akuten Blasenentzündung testen, und keine einzige brauchbare randomisierte Studie gefunden. Auch der IQWiG-Bericht fand keine Studien zur Behandlung. Die europäische Urologen-Leitlinie nennt Cranberry zwar auch zur Linderung der Beschwerden, hält die Belege dafür im selben Text aber für unzureichend. Ein Glas Cranberrysaft ersetzt also keine Abklärung.

Bei einer unkomplizierten Blasenentzündung bespricht deine Ärztin mit dir, ob ein Antibiotikum nötig ist oder ob eine Behandlung der Beschwerden reicht. Geh bitte rasch zur Ärztin oder in eine Klinik, wenn du Fieber, Flankenschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen hast oder Blut im Urin siehst. In der Schwangerschaft gehört jeder Verdacht auf eine Blasenentzündung ärztlich abgeklärt.

Neben- und Wechselwirkungen: für wen Cranberry nicht passt

Die meisten Menschen vertragen Cranberry gut. In der Cochrane-Analyse waren Magen-Darm-Beschwerden mit Cranberry nicht deutlich häufiger als mit Placebo oder ohne Behandlung.

Blutverdünner. Die Datenlage zu Cranberry und dem Gerinnungshemmer Warfarin ist widersprüchlich. Bei 12 gesunden Männern verstärkte Cranberry die Gerinnungshemmung messbar, in einer doppelblinden Studie mit 30 Menschen unter Warfarin fand sich dagegen kein klinisch relevanter Effekt. Eine Übersichtsarbeit zählt Cranberry zu den Lebensmitteln mit möglichem Blutungsrisiko unter Warfarin. In Deutschland wird häufig Phenprocoumon verschrieben, dazu liegt uns keine Studie vor. Wer Blutverdünner nimmt, sollte Cranberry-Präparate deshalb vorher mit Ärztin oder Apotheke besprechen.

Nierensteine. Cranberry enthält Oxalat, einen häufigen Bestandteil von Nierensteinen. Bei fünf Freiwilligen stieg der Oxalatgehalt im Urin unter Cranberry-Tabletten im Schnitt um 43 %. In einer zweiten kleinen Studie (24 Personen, eine Woche) erhöhte ein Liter Saft täglich die Werte im Urin, die Calciumoxalat-Steine begünstigen. Wer schon Nierensteine hatte, sollte Cranberry nur nach ärztlicher Rücksprache nehmen.

Zucker. Wer auf Zucker achten muss, etwa bei Diabetes, rechnet bei Saft mit und bespricht das am besten mit Ärztin oder Apotheke.

Schwangerschaft, Kinder, ältere Menschen. Bei Schwangeren zeigte sich in der Cochrane-Analyse kaum oder kein Nutzen, ebenso bei älteren Menschen in Heimen. Für Kinder fand sich ein Nutzen, eine Dosis lässt sich daraus aber nicht ableiten. Hier entscheidet die Ärztin oder der Kinderarzt.

Wenn die Blasenentzündung immer nach dem Sex kommt

Bei vielen Frauen hat die Blasenentzündung nach dem Sex einen klaren Rhythmus: Sex am Wochenende, Brennen am Montag. In einer Studie mit fast 800 jungen Frauen war das Risiko in der Gruppe der Studentinnen bei einem Tag mit Sex in der Vorwoche etwa 1,4-mal, bei fünf Tagen etwa 4,8-mal so hoch. Beim Sex können Keime aus der Umgebung von Damm und Vaginaleingang an die Harnröhrenöffnung gelangen. Die europäische Urologen-Leitlinie rät, bei einer Antibiotika-Vorbeugung danach zu entscheiden, ob die Infekte zeitlich mit dem Sex zusammenhängen.

Cranberry ist nicht auf diesen Rhythmus zugeschnitten: Es wird täglich eingenommen und soll über den Urin wirken, unabhängig davon, ob ihr miteinander schlaft. Zur Einnahme gezielt vor oder nach dem Sex haben wir keine Studie gefunden. Die einzige uns bekannte Studie speziell bei Infekten nach dem Sex prüfte bei 26 Frauen ohne Vergleichsgruppe eine tägliche Kombination aus D-Mannose und Cranberry-Extrakt; als Wirksamkeitsbeleg taugt sie nicht.

Die Leitlinie nennt für Infekte nach dem Sex auch eine einmalige Antibiotika-Gabe nach dem Sex als Alternative zur täglichen Einnahme. Wie das abläuft und was du deine Ärztin fragen kannst, steht in Antibiotikum nach dem Sex.

Ein weiterer Weg richtet sich direkt auf den Moment, in dem Keime an die Harnröhre gelangen können: den Sex selbst. PAVAOO® ist ein wirkstofffreies Harnwegspflaster (Medizinprodukt, CE), das vor dem Sex äußerlich aufgeklebt wird und die Harnröhrenöffnung mechanisch abdeckt. Du klebst es kurz vorher auf die äußeren Vulvalippen, es wird beim Sex getragen, und der Vaginaleingang bleibt frei. Das verringert den Kontakt von Keimen mit der Harnröhrenöffnung und kann so die Wahrscheinlichkeit verringern, dass sie dorthin gelangen.

Cranberry und Pflaster sind zwei verschiedene Wege: das eine täglich geschluckt, über den Urin, das andere nur bei Bedarf, äußerlich und mechanisch. Welcher Weg bei dir besser wirkt, können wir nicht sagen, denn beides wurde nie verglichen. Eine unabhängige Studie speziell zu PAVAOO gibt es noch nicht. Wir arbeiten daran. Mehr dazu steht im Statement zur Studienlage. Cordula Loock kennt Blasenentzündungen nach dem Sex aus eigener Erfahrung. Statt im Körper gegen die Keime anzugehen, suchte sie einen Weg, ihren Kontakt mit der Harnröhrenöffnung beim Sex zu verringern.

Das Pflaster ist kein Mittel bei einer akuten Blasenentzündung, kein Verhütungsmittel und schützt nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen. Es braucht haarfreie, saubere und trockene Haut und ist nicht geeignet bei gereizter, entzündeter oder verletzter Haut an der Klebestelle, Pflasterallergie, Diabetes, Durchblutungsstörungen oder Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Psoriasis oder chronischen Ekzemen; in Schwangerschaft und Stillzeit nur nach ärztlicher Absprache. Wie es sitzt, zeigt das Anleitungsvideo, mehr Hintergrund steht in Pflaster gegen Blasenentzündung?

Sprecht als Paar ruhig vorher über das Pflaster: Es ist ein gemeinsamer Handgriff vor dem Sex, kein heimliches Ritual.

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Häufige Fragen

Wie viel Cranberrysaft am Tag ist sinnvoll?

Eine belegte Menge gibt es nicht. In den großen Studien tranken Frauen meist 240 ml am Tag, in einer Studie zweimal 240 ml, mit unterschiedlichen Ergebnissen. Die DEGAM hält wegen der sehr unterschiedlichen Präparate keine Dosisempfehlung für möglich. Bedenke bei Saft auch den Zucker: Ein Glas Saftgetränk mit 240 ml enthält nach US-Daten rund 30 g.

Wie lange muss man Cranberry einnehmen, bis es wirkt?

Cranberry wirkt nur, solange du es einnimmst. In der Cochrane-Analyse liefen die Studien mindestens einen Monat, die großen Einzelstudien meist etwa sechs Monate. Hörst du auf, fällt auch die mögliche Schutzwirkung weg. Sinnvoll ist, mit der Ärztin einen Zeitraum zu vereinbaren und dann gemeinsam Bilanz zu ziehen.

Wann am Tag nehme ich Cranberry am besten?

Dazu gibt es keine Studien mit echten Infekten. In einer Laborstudie hielt die Anti-Haft-Wirkung im Urin mit der höchsten untersuchten Menge bis zu 24 Stunden an. Das passt zur täglichen Einnahme, wie sie in den Studien üblich war. Eine bestimmte Uhrzeit oder eine Einnahme gezielt vor dem Sex ist nicht untersucht.

Kann ich Cranberry nehmen, während ich ein Antibiotikum nehme?

Verschreibt dir deine Ärztin bei einer akuten Blasenentzündung ein Antibiotikum, ist das die Behandlung; Cranberry hat dabei keinen belegten Zusatznutzen. Zur Vorbeugung fand die Cochrane-Analyse in zwei Studien mit unsicheren Daten kaum einen Unterschied zwischen Cranberry und einer Antibiotika-Vorbeugung, das IQWiG schätzte Cranberry 2022 dagegen als vermutlich weniger wirksam ein. Ob du beides kombinierst, besprichst du am besten in der Apotheke oder mit deiner Ärztin, besonders wenn du weitere Medikamente nimmst.

Kann ich Cranberry und D-Mannose kombinieren?

Es gibt Präparate, die beides enthalten, belegt ist der Nutzen der Kombination aber kaum. Die einzige uns bekannte Studie bei Infekten nach dem Sex hatte keine Vergleichsgruppe. Für D-Mannose allein fand die größte placebokontrollierte Studie keinen Unterschied zu Placebo. Details stehen im Artikel zu D-Mannose.

Hilft Cranberry in der Schwangerschaft gegen Blasenentzündungen?

Ein Nutzen ist nicht belegt. In der Cochrane-Analyse zeigte sich bei Schwangeren (3 Studien, 765 Frauen) kaum oder kein Unterschied. In der Schwangerschaft gehört jede Vorbeugung und jeder Verdacht auf eine Blasenentzündung in ärztliche Hände.

Quellen