Impfung gegen Blasenentzündung: Nutzen, Kosten und Ablauf
Im Wartezimmer liegt ein Flyer zur „Blasenimpfung“, und du überlegst, ob sich die bis zu 200 Euro lohnen. Das hängt vom Präparat ab: Mit den Kapseln hatten nach sechs Monaten etwa 42 von 100 Frauen einen Rückfall, mit Placebo 54, bei der Spritzenkur fand die einzige placebokontrollierte Studie keinen signifikanten Unterschied. Wie belastbar diese Zahlen zur Impfung gegen Blasenentzündung sind und was du am Ende selbst zahlst, ordnen wir Präparat für Präparat ein.
Das Wichtigste in Kürze
- Mit „Impfung gegen Blasenentzündung“ sind Immunpräparate aus abgetöteten Bakterien oder Bakterienbestandteilen gemeint: Kapseln zum Einnehmen (OM-89), eine Spritzenkur (StroVac) oder ein Spray unter die Zunge (MV140).
- Für die Kapseln OM-89 nennt der IGeL-Monitor 2024 nach sechs Monaten etwa 42 statt 54 von 100 Frauen mit Rückfall, bei niedriger Studienqualität; sein Urteil lautet „tendenziell positiv“.
- Die Spritzenkur StroVac senkte die Infekte in der einzigen placebokontrollierten Studie nicht stärker als ein Placebo; der IGeL-Monitor bewertet sie mit „tendenziell negativ“.
- Laut deutscher S3-Leitlinie von 2024 sollte OM-89 vor einer antibiotischen Dauervorbeugung angeboten werden, die europäische Urologen-Leitlinie von 2026 sieht Immunprophylaxe dagegen nur noch im Rahmen von Studien vor.
- Die Präparate sind in Deutschland Selbstzahlerleistungen: Mit ärztlichen Leistungen kostet eine Behandlung laut IGeL-Monitor etwa 170 bis 200 Euro (Preise Stand 2024).
Was ist eine Impfung gegen Blasenentzündung? Gemeint ist eine Immunprophylaxe: Abgetötete Bakterien oder Bestandteile von Bakterien, die Harnwegsinfekte auslösen, werden geschluckt, gespritzt oder unter die Zunge gesprüht, um das Immunsystem anzuregen. Ziel ist, dass Frauen mit häufigen Rückfällen seltener eine Blasenentzündung bekommen.
Treten deine Blasenentzündungen fast nur nach dem Sex auf, gibt es weiter unten noch einen Weg ohne Kapseln und Spritzen.
Was ist mit „Impfung gegen Blasenentzündung“ gemeint?
Drei verschiedene Präparate, die unterschiedlich angewendet werden und unterschiedlich gut untersucht sind. Der Begriff „Impfung“ ist dabei umgangssprachlich gemeint: Es geht nicht um eine klassische Schutzimpfung, und für die Spritzenkur gibt es auch keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO).
- Kapseln zum Einnehmen (OM-89): ein Präparat aus Bestandteilen von E.-coli-Bakterien, eingenommen über drei Monate, im Handel als Uro-Vaxom.
- Spritzenkur (StroVac): inaktivierte Bakterien, drei Spritzen in den Muskel im Abstand von ein bis zwei Wochen.
- Spray unter die Zunge (MV140): abgetötete Bakterien, in der Studie über drei oder sechs Monate angewendet. Laut S3-Leitlinie von 2024 war MV140 in Deutschland nicht verfügbar; einen neueren Stand haben wir nicht gefunden.
Gedacht sind alle drei für wiederkehrende Blasenentzündungen. Davon spricht man ab mindestens zwei Infekten mit Beschwerden in sechs Monaten oder mindestens drei in zwölf Monaten. Die Behandlung eines akuten Infekts ersetzen sie nicht: Laut Fachinformation wird ein akuter Schub zusätzlich wie üblich behandelt, etwa mit einem Antibiotikum.
Was zeigen die Studien? Die drei Präparate im Überblick
Zu den Kapseln gibt es die meisten Daten, ein kurzfristiger Vorteil ist möglich, aber unsicher. Die Spritzenkur war in ihrer einzigen Placebostudie nicht besser als Placebo. Zum Spray gibt es eine einzige placebokontrollierte Studie, und die hat der Hersteller finanziert; dazu kommen Beobachtungsstudien ohne Placebogruppe.
| Präparat | Anwendung | Studienlage in Zahlen | Leitlinien | Preis laut IGeL-Monitor (Stand 5/2024) | Einordnung |
|---|---|---|---|---|---|
| OM-89, Bestandteile von E.-coli-Bakterien (Kapseln) | über 3 Monate einnehmen | nach 6 Monaten Rückfall bei etwa 42 statt 54 von 100 Frauen (6 Studien, 1.148 Personen); nach 3 Monaten etwa 43 statt 64 von 100; nach 12 Monaten kein signifikanter Unterschied | S3 2024: „sollte“ vor antibiotischer Dauervorbeugung angeboten werden; EAU 2026: nur in Studien | 115,31 € für 3 Monate, Auffrischung 50,29 € | unklar: kurzfristiger Vorteil möglich, niedrige Studienqualität, Leitlinien uneinig |
| StroVac, inaktivierte Bakterien (Spritze) | 3 Spritzen in den Muskel, Abstand 1–2 Wochen | 376 Personen, fast alle Frauen: Infekte sanken mit Impfung von 5,5 im Jahr davor auf 1,2 in den 13,5 Monaten danach, mit Placebo von 5,4 auf 1,3; mehr unerwünschte Ereignisse in der Behandlungszeit | S3 2024: keine Empfehlung | 108,96 € für die Grundimmunisierung, Auffrischung 42,80 € | laut IGeL-Monitor kein Nutzen belegt: kein signifikanter Unterschied zu Placebo |
| MV140, abgetötete Bakterien (Spray unter die Zunge) | in der Studie 3 oder 6 Monate | 240 Frauen: in den 9 Monaten nach den ersten 3 Behandlungsmonaten ohne Infekt 56 bzw. 58 % mit MV140, 25 % mit Placebo | S3 2024: „kann angeboten werden“, damals in Deutschland nicht verfügbar | – | unklar: nur eine placebokontrollierte Studie, vom Hersteller finanziert |
So liest du die Zahlen zu OM-89: Von 100 Frauen mit häufigen Rückfällen hatten nach sechs Monaten mit Placebo etwa 54 einen weiteren Infekt, mit OM-89 etwa 42. Rechnerisch waren das etwa 12 Frauen pro 100 weniger mit Rückfall (Spanne laut IGeL-Monitor: 7 bis 17). Der Haken: Die Studien stammen aus den Jahren 1986 bis 2017 und sind sehr uneinheitlich, der IGeL-Monitor stuft die Ergebnisqualität als niedrig ein. Nach zwölf Monaten war der Unterschied in einer Übersicht der deutschen Leitlinienautorinnen und -autoren von 2024 nicht mehr signifikant.
Warum bewerten die Leitlinien die Impfung unterschiedlich?
Weil sie sich auf unterschiedliche Auswertungen stützen. Die deutsche S3-Leitlinie und der IGeL-Monitor sehen für OM-89 einen kurzfristigen Vorteil, die europäische Leitlinie beruft sich auf eine Meta-Analyse von 2024 mit 14 Studien und 2.822 Personen. Über fünf Impfstoffe hinweg waren dort etwas mehr Frauen infektfrei, für OM-89 und für Solco-Urovac, ein in der Scheide angewendetes Vorgängerpräparat der Spritzenkur, war der kurzfristige Unterschied zu Placebo allein aber nicht signifikant. Am vielversprechendsten war MV140, gestützt auf eine einzige placebokontrollierte Studie; die europäische Leitlinie nennt dazu drei Kohortenstudien, in denen MV140 mit Antibiotika verglichen wurde.
| Wer bewertet | Stand | Kapseln (OM-89) | Spritze (StroVac) | Spray (MV140) |
|---|---|---|---|---|
| S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen (AWMF 043-044) | 2024 | „sollte“ vor antibiotischer Dauervorbeugung angeboten werden (Empfehlungsgrad B; für Frauen ohne Begleiterkrankungen, nicht im höheren Alter) | keine Empfehlung | „kann angeboten werden“, 2024 in Deutschland nicht verfügbar |
| IGeL-Monitor (Medizinischer Dienst Bund) | 10/2024 | „tendenziell positiv“ für nicht schwangere Frauen ohne Begleiterkrankungen, Beobachtung 6 Monate | „tendenziell negativ“ | – |
| IQWiG (gesundheitsinformation.de) | 2023 | Nutzen unklar | Nutzen nicht sicher nachgewiesen | – |
| EAU Guidelines (europäische Urologen) | 2026 | Immunprophylaxe insgesamt nur im Rahmen gut kontrollierter Studien, Empfehlung auf „schwach“ abgestuft | wie links | wie links |
Spricht deine Ärztin OM-89 an, bewegt sie sich im Rahmen der deutschen Leitlinie. Rät eine andere Praxis ab, hat sie die europäische Bewertung auf ihrer Seite. Beides ist ein legitimer Standpunkt.
„Bei mir hat es geholfen“: Warum Erfahrungen und Studien auseinanderliegen
Weil Blasenentzündungen oft auch ohne das untersuchte Mittel seltener werden. Die Studie zur Spritzenkur zeigt das: In der Placebogruppe sank die Zahl der Infekte von 5,4 im Jahr vor der Studie auf 1,3 in den 13,5 Monaten danach. Das Placebo war allerdings keine reine Kochsalzlösung. Es enthielt die Hilfsstoffe der Impfung, darunter Aluminiumphosphat, nur keine Bakterien und keine Konservierungsmittel. Die Studienautoren vermuten, dass es deshalb selbst etwas bewirkt hat; laut IGeL-Monitor ist das offen.
Ein großer Teil des Rückgangs geht wahrscheinlich auf einen Effekt zurück, den Fachleute Regression zur Mitte nennen: Viele Frauen beginnen eine Vorbeugung, wenn es gerade besonders schlimm ist, und danach wird es bei vielen von allein ruhiger. Wer in dieser Phase Kapseln schluckt oder Spritzen bekommt, erlebt die Besserung zusammen mit dem Präparat. Die Besserung ist echt, nur lässt sich ohne Vergleichsgruppe nicht sagen, wie viel davon das Präparat beigetragen hat.
Was ist mit der Zahl „bis zu 93 %“?
Diese Zahl taucht in Presseberichten auf, etwa 2022. Eine Primärquelle dafür haben wir nicht gefunden, und sie passt nicht zu den kontrollierten Daten: Bei der Spritzenkur sank die Infektzahl mit Placebo fast genauso stark, bei OM-89 liegt der Vorteil nach sechs Monaten bei etwa 12 von 100 Frauen. Auch ältere Angaben mit sehr hohen Anteilen infektfreier Frauen entstanden, bevor die placebokontrollierte Studie veröffentlicht war.
Ablauf, Kosten und Krankenkasse
Am Anfang steht ein Gespräch in der Hausarzt-, Frauenarzt- oder Urologiepraxis, in dem du mit deiner Ärztin klärst, ob eine Immunprophylaxe für dich infrage kommt.
Vorher: Bei wiederkehrenden Blasenentzündungen soll die Diagnose laut europäischer Leitlinie mit einer Urinkultur gesichert werden. Ein Teststreifen ersetzt sie nicht. Was er leisten kann, steht in Teststreifen bei Blasenentzündung. Eine aufwendige Routineabklärung wie eine Blasenspiegelung ist bei Frauen unter 40 ohne Risikofaktoren nicht vorgesehen.
Ablauf: Die OM-89-Kapseln nimmst du drei Monate lang zu Hause ein, StroVac spritzt die Praxis dreimal im Abstand von ein bis zwei Wochen in den Muskel.
Kosten: Die Präparate sind individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL), die du selbst bezahlst. Mit den ärztlichen Leistungen nach Gebührenordnung (GOÄ) kommen laut IGeL-Monitor etwa 170 bis 200 Euro pro Behandlung zusammen (Preise Stand Mai 2024).
Krankenkasse: Laut IQWiG bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen die Spritzenkur nicht. Auch die Kapseln bezahlen die gesetzlichen Kassen laut IQWiG in der Regel nicht. Die DEGAM schreibt, dass nicht-antibiotische Maßnahmen überwiegend keine Kassenleistung sind und teilweise erhebliche Kosten verursachen.
Für wen kommt die Impfung infrage?
Die deutsche Leitlinie nennt OM-89 für Frauen mit häufigen Rückfällen ohne Begleiterkrankungen, bevor eine antibiotische Dauervorbeugung beginnt. Ob du zu dieser Gruppe gehörst, entscheidet deine Ärztin mit dir, am besten auf Grundlage bestätigter Infekte.
Andere Wege sind vaginales Östrogen nach den Wechseljahren, siehe Blasenentzündung in den Wechseljahren, und das seit 2026 in Deutschland erhältliche, verschreibungspflichtige Methenamin, das anders wirkt als klassische Antibiotika. Es wirkte in einer großen Studie fast so gut wie eine Antibiotika-Dauervorbeugung. Alle Wege mit ihrer Studienlage findest du in Blasenentzündung vorbeugen, mögliche Ursachen ständiger Rückfälle in chronische Blasenentzündung.
Die positive Bewertung des IGeL-Monitors gilt für nicht schwangere Frauen ohne Begleiterkrankungen. Bist du schwanger oder hast du Vorerkrankungen, gilt eine Blasenentzündung nicht automatisch als unkompliziert. Dann gehört jede Vorbeugung ausführlich in die Praxis.
Fragen für dein Arztgespräch:
- Sind meine Infekte mit einer Urinkultur bestätigt?
- Hängen sie zeitlich mit dem Sex zusammen, und ändert das die Wahl?
- Welche anderen Wege kommen für mich infrage, und wie gut sind sie belegt?
- Was kostet die Behandlung insgesamt?
- Woran sehen wir nach einigen Monaten, ob sich etwas verändert hat?
Für die letzte Frage notierst du ab jetzt jeden Infekt: wann er kam, ob die Praxis ihn bestätigt hat und ob in den Tagen davor Sex war. Nach der Kur lässt sich das mit den Monaten davor vergleichen.
Passt eine Immunkur, wenn Sex der Auslöser ist?
Sie ist nicht darauf zugeschnitten: Kapseln und Spritzen werden über Wochen bis Monate angewendet, ganz gleich, ob und wann du Sex hast. Fällt dir auf, dass deine Infekte meist in den Tagen nach dem Sex beginnen, gehört diese Beobachtung ins Arztgespräch.
Wie eng Sex und Blasenentzündung zusammenhängen können, hat eine Studie mit 796 jungen Frauen in den USA gemessen: Bei den Studentinnen unter ihnen stieg das Risiko bei fünf Tagen mit Sex in der Vorwoche auf das 4,8-Fache, in einer zweiten Gruppe junger Frauen auf das 3-Fache. Beim Sex können Keime vom Damm und vom Vaginaleingang zur Harnröhrenöffnung gelangen. Dafür kannst du nichts, mehr dazu in Blasenentzündung nach dem Sex.
Für dieses Muster gibt es bei den Antibiotika eine eigene Variante. Die europäische Urologen-Leitlinie von 2026 empfiehlt, bei der Vorbeugung mit Antibiotika danach zu entscheiden, ob die Infekte zeitlich mit dem Sex zusammenhängen: dauerhaft oder nur nach dem Sex. Die deutsche S3-Leitlinie sieht bei Frauen vor den Wechseljahren ebenfalls eine einmalige, niedrig dosierte Antibiotika-Gabe nach dem Sex vor, statt einer täglichen Einnahme, siehe Antibiotikum nach dem Sex.
Ein anderer Weg ohne Medikament zielt nur auf den Auslöser Sex: ein wirkstofffreies Harnwegspflaster, also eine mechanische Barriere vor der Harnröhrenöffnung. PAVAOO® ist ein wirkstofffreies Harnwegspflaster (Medizinprodukt, CE), das vor dem Sex äußerlich aufgeklebt wird und die Harnröhrenöffnung mechanisch abdeckt. Kurz vorher kommt es auf die äußeren Vulvalippen und wird beim Sex getragen, der Vaginaleingang bleibt dabei frei. So verringert es den Kontakt von Keimen mit der Harnröhrenöffnung und kann die Wahrscheinlichkeit verringern, dass sie in die Harnröhre gelangen. Anders als bei einer Kur gibt es keine Einnahmephase: Das Pflaster kommt nur an den Tagen zum Einsatz, an denen ihr Sex habt.
Das PAVAOO Harnwegspflaster ist für Frauen gedacht, bei denen Blasenentzündungen mit dem Sex zusammenhängen. In den Leitlinien kommen mechanische Barrieren bisher nicht vor. Eine unabhängige Studie speziell zu PAVAOO gibt es noch nicht. Wir arbeiten daran. Das Pflaster ist kein Mittel bei einer akuten Blasenentzündung, kein Verhütungsmittel und kein Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen. Die Haut an der Klebestelle muss haarfrei, sauber und trocken sein. Nicht anwenden solltest du es bei verletzter, gereizter, entzündeter, unregelmäßiger oder infizierter Haut an der Klebestelle, bei einer Allergie gegen Pflaster oder Bestandteile des Pflasters, bei Diabetes, Durchblutungsstörungen oder Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Psoriasis oder chronischen Ekzemen. In Schwangerschaft und Stillzeit bitte nur nach ärztlicher Absprache. Mehr zu Sitz und Anwendung findest du in Pflaster gegen Blasenentzündung?
PAVAOO Harnwegspflaster
Ohne Kur und ohne Wirkstoff: ein hauchdünnes Pflaster, das du nur nimmst, wenn ihr miteinander schlaft. Du klebst es vorab auf und behältst es beim Sex an.
Medizinprodukt. Bitte Gebrauchsanweisung beachten.
Wann du ärztliche Hilfe brauchst: Bei Fieber, Flankenschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen solltest du schnell in eine Praxis oder ein Krankenhaus, denn das kann auf eine Nierenbeckenentzündung hinweisen. Auch Blut im Urin, eine Schwangerschaft oder ständige Rückfälle sind ein Grund für die Praxis. Eine Immunprophylaxe ersetzt keine Behandlung einer akuten Blasenentzündung.
Häufige Fragen
Was kostet die Impfung gegen Blasenentzündung?
Laut IGeL-Monitor (Preise 2024) etwa 170 bis 200 Euro pro Behandlung, Präparat und ärztliche Leistungen zusammen. Eine Auffrischung kostet zusätzlich, für das Präparat rund 50 Euro (OM-89) beziehungsweise rund 43 Euro (StroVac).
Zahlt die Krankenkasse die Impfung gegen Blasenentzündung?
In der Regel nicht. Kapseln und Spritzenkur sind Selbstzahlerleistungen. Laut IQWiG bezahlen die gesetzlichen Kassen die Spritzenkur nicht und die Kapseln in der Regel ebenfalls nicht. Ob deine Kasse über eine freiwillige Zusatzleistung etwas dazugibt, erfährst du nur dort. Frag am besten nach, bevor du startest.
Welche Nebenwirkungen kann die Impfung haben?
In der placebokontrollierten Studie zur Spritzenkur hatten während der Behandlungszeit 62 von 100 Behandelten unerwünschte Ereignisse, mit Placebo 44 von 100. Für die Kapseln fand der IGeL-Monitor in den Studien nicht mehr unerwünschte Ereignisse als mit Placebo; laut Fachinformation kommen häufig leichte Magen-Darm-Beschwerden vor. Welche weiteren Nebenwirkungen für dein Präparat bekannt sind, steht in der Packungsbeilage. Sprich vorher mit deiner Ärztin, besonders in der Schwangerschaft, bei Vorerkrankungen oder wenn du regelmäßig Medikamente nimmst.
Wie oft muss man die Impfung auffrischen?
Laut Fachinformation kann OM-89 drei Monate nach der Grundkur aufgefrischt werden (10 Tage pro Monat, drei Monate lang), die Spritzenkur etwa ein Jahr nach den ersten Spritzen mit einer einzelnen Spritze. Ob das etwas bringt, ist nicht untersucht: Für Auffrischungskuren mit OM-89 hat der IGeL-Monitor keine Studienergebnisse gefunden, obwohl er Preise dafür nennt. Ob eine zweite Runde sinnvoll ist, entscheidest du am besten mit deiner Ärztin nach einer Bilanz der letzten Monate, etwa anhand deiner Notizen.
Spritze oder Kapseln: Was ist der Unterschied?
Kapseln (OM-89) nimmst du drei Monate lang ein, die Spritzenkur (StroVac) sind drei Spritzen in den Muskel. Für die Kapseln gibt es einen kurzfristigen Vorteil bei niedriger Studienqualität, für die Spritze in der einzigen Placebostudie keinen Unterschied. Die deutsche Leitlinie spricht deshalb nur für die Kapseln eine Empfehlung aus.
Gibt es die Impfung auch als Spray?
Ja, MV140 wird unter die Zunge gesprüht. In einer Studie mit 240 Frauen blieben in den neun Monaten nach den ersten drei Behandlungsmonaten 56 bis 58 % ohne Infekt, mit Placebo 25 %. Das ist bisher die einzige placebokontrollierte Studie, und der Hersteller hat sie finanziert; daneben gibt es Beobachtungsstudien. Laut S3-Leitlinie von 2024 war MV140 in Deutschland nicht verfügbar; einen neueren Stand haben wir nicht gefunden.
Ist die Impfung gegen Blasenentzündung sinnvoll?
Das hängt vom Präparat und von deiner Situation ab. Für OM-89 ist ein Vorteil kurzfristig möglich, aber unsicher, und die Leitlinien sind uneinig. Für die Spritzenkur ist laut IGeL-Monitor kein Nutzen belegt. Besprechen lohnt sich vor allem, wenn deine Rückfälle mit einer Urinkultur bestätigt sind.
Quellen
- AWMF, S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen (043-044), Aktualisierung 2024 (abgerufen am 30.10.2026)
- DEGAM (Schmiemann G, Gebhardt K, Bleidorn J), Anwenderversion Harnwegsinfektionen 2025 (abgerufen am 30.10.2026)
- European Association of Urology, EAU Guidelines on Urological Infections 2026 (abgerufen am 30.10.2026)
- Medizinischer Dienst Bund, IGeL-Monitor: Evidenzbericht „Impfung und Immunprophylaxe zur Behandlung und Vorbeugung rezidivierender Harnwegsinfektionen bakterieller Herkunft“, Stand 29.10.2024 (abgerufen am 30.10.2026)
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Blasenentzündungen vorbeugen 2023 (abgerufen am 30.10.2026)
- Mak Q et al., Bacterial Vaccines for the Management of Recurrent Urinary Tract Infections: A Systematic Review and Meta-analysis, Eur Urol Focus 2024;10(5):761-9 (abgerufen am 30.10.2026)
- Nestler S et al., Prospective multicentre randomized double-blind placebo-controlled parallel group study on the efficacy and tolerability of StroVac® in patients with recurrent symptomatic uncomplicated bacterial urinary tract infections, Int Urol Nephrol 2023;55(1):9-16 (abgerufen am 30.10.2026)
- Lorenzo-Gómez MF et al., Sublingual MV140 for prevention of recurrent urinary tract infections, NEJM Evid 2022 (abgerufen am 30.10.2026)
- Schmiemann G et al., The diagnosis, treatment, and prevention of recurrent urinary tract infection, Dtsch Arztebl Int 2024 (abgerufen am 30.10.2026)
- Harding C et al. (ALTAR), Alternative to prophylactic antibiotics for the treatment of recurrent urinary tract infections in women: multicentre, open label, randomised, non-inferiority trial, BMJ 2022;376:e068229 (abgerufen am 30.10.2026)
- Perrotta C et al., Oestrogens for preventing recurrent urinary tract infection in postmenopausal women, Cochrane Database Syst Rev 2008 (abgerufen am 30.10.2026)
- Hooton TM et al., A prospective study of risk factors for symptomatic urinary tract infection in young women, N Engl J Med 1996 (abgerufen am 30.10.2026)
- Fachinformation Uro-Vaxom 6 mg Hartkapseln, Stand 09/2022 (abgerufen am 30.10.2026)
- Fachinformation StroVac, Stand 07/2021 (abgerufen am 30.10.2026)
- Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Blasenentzündung 2024 (abgerufen am 30.10.2026)