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Blasenentzündung in den Wechseljahren: Ursachen, Östrogen und Sex

Jahrelang war Ruhe, und seit den Wechseljahren ist die Blasenentzündung zurück, auffällig oft nach dem Sex. Das bildest du dir nicht ein: Blasenentzündung, Wechseljahre und Sex hängen zusammen, weil sich mit dem sinkenden Östrogen Scheidenflora und Schleimhaut verändern und Sex in jedem Alter ein Auslöser bleibt. Am besten untersucht ist vaginales Östrogen; dazu kommen eine gründliche Abklärung und das, was du beim Sex selbst in der Hand hast.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach den Wechseljahren werden wiederkehrende Blasenentzündungen häufiger; als vermutliche Gründe nennt die Leitlinie unter anderem weniger Östrogen, Inkontinenz, eine Senkung der Blase und Restharn.
  • Sex bleibt ein Auslöser: In einer Studie mit 913 Frauen nach den Wechseljahren war das Risiko zwei Tage nach dem Sex etwa 3,4-mal so hoch.
  • Vaginal angewendetes Östrogen kann wiederkehrende Infekte nach den Wechseljahren seltener machen, Östrogentabletten zum Einnehmen tun das nicht; die Entscheidung trifft deine Ärztin.
  • Bei häufigen Rückfällen nach den Wechseljahren empfiehlt die Leitlinie eine Urinkultur und einen Ultraschall, eine Blasenspiegelung ist meist nicht nötig.
  • Gleitgel lindert Trockenheit beim Sex; dass es Blasenentzündungen vorbeugt, ist nicht untersucht.

Was ist eine Blasenentzündung in den Wechseljahren? Eine Infektion von Blase und Harnröhre, meist durch das Darmbakterium E. coli, die nach der Menopause häufiger wiederkehrt. Dazu tragen der sinkende Östrogenspiegel, Veränderungen von Beckenboden und Blase und weiterhin der Sex bei.

Wenn deine Blasenentzündungen klar nach dem Sex kommen: Wie ein wirkstofffreies Pflaster beim Sex die Harnröhrenöffnung abdeckt, zeigen wir weiter unten.

Warum gerade jetzt? Blasenentzündung, Wechseljahre und die Schleimhaut

Weil mit dem Östrogen auch der Schutz der Schleimhaut nachlässt. Die Hausärzte-Fassung der deutschen Leitlinie (DEGAM 2025) hält fest, dass wiederkehrende Harnwegsinfekte nach den Wechseljahren häufiger werden, und nennt als vermutliche Gründe unter anderem Inkontinenz, eine Senkung der Blase, Restharn und den Rückgang der Östrogenbildung.

Was das an der Schleimhaut bedeutet, zeigt eine klassische Studie: Raz und Stamm untersuchten 1993 93 Frauen nach den Wechseljahren mit wiederkehrenden Infekten. Vor der Behandlung hatte keine von ihnen Milchsäurebakterien in der Scheide, der pH-Wert lag in der Estriol-Gruppe im Mittel bei 5,5, und bei zwei Dritteln (67 %) siedelten dort Darmbakterien aus der Familie, zu der E. coli gehört.

Unter einer Estriol-Creme kehrten die Milchsäurebakterien bei 22 von 36 Frauen zurück, der pH-Wert sank auf 3,8, und die Besiedelung mit Darmbakterien fiel auf 31 %. Die Forschenden vermuten, dass vaginales Östrogen über diese veränderte Scheidenflora vorbeugt. Bei Frauen mit wiederkehrenden Infekten nach den Wechseljahren können Darmbakterien also ganz nah an der Harnröhrenöffnung sitzen. Das ist eine körperliche Veränderung, keine Frage der Hygiene.

Das urogenitale Menopausensyndrom

Was ist das urogenitale Menopausensyndrom? Der Fachbegriff (englisch GSM) für Beschwerden durch sinkendes Östrogen an Vulva, Scheide, Harnröhre und Blase: Trockenheit, Brennen und Reizung, fehlende Feuchtigkeit und Schmerzen beim Sex, Harndrang, Brennen beim Wasserlassen und wiederkehrende Harnwegsinfekte.

Laut der nordamerikanischen Menopause-Gesellschaft (NAMS 2020) betrifft das Syndrom je nach Studie etwa 27 bis 84 von 100 Frauen nach den Wechseljahren und wird vermutlich oft nicht erkannt. Auch wiederkehrende Blasenentzündungen können dazugehören. Du kannst sie in der Praxis also im selben Atemzug mit Trockenheit oder Schmerzen beim Sex ansprechen.

Welche Ursachen kommen nach der Menopause dazu?

Neben dem Östrogen spielen vor allem Blase und Beckenboden mit. In einer Studie aus Israel verglichen Forschende 149 Frauen nach den Wechseljahren mit wiederkehrenden Infekten und 53 gleichaltrige Frauen ohne Infekte. Die Unterschiede waren deutlich:

  • Inkontinenz: 41 % der Betroffenen, aber nur 9 % der Vergleichsgruppe.
  • Senkung der Blase (Zystozele): 19 % gegenüber 0 %.
  • Restharn, also Urin, der nach dem Wasserlassen in der Blase bleibt: 28 % gegenüber 2 %.

In der gemeinsamen Auswertung blieben drei Faktoren am stärksten mit Rückfällen verbunden: Inkontinenz (Odds Ratio 5,79), Harnwegsinfekte schon vor der Menopause (4,85) und eine angeborene Eigenschaft der Schleimhaut, der sogenannte Nicht-Sekretor-Status (2,9). Die Studie zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen, und die Autoren fordern selbst weitere Studien.

Wer schon vor der Menopause öfter Blasenentzündungen hatte, hat sie oft auch danach. Mit etwas, das du falsch machst, hat das nichts zu tun. Inkontinenz oder ein Druckgefühl in der Scheide sprichst du in der Praxis am besten offen an, auch wenn es Überwindung kostet.

Noch etwas ändert sich: Die Leitlinie führt Frauen nach den Wechseljahren als eigene Gruppe. Ratschläge für die „unkomplizierte" Blasenentzündung junger Frauen gelten für dich deshalb nicht automatisch. Hast du Diabetes oder eine andere Vorerkrankung, gehört ein Verdacht auf Harnwegsinfekt ohnehin zur Ärztin.

Welche Rolle spielt Sex nach den Wechseljahren?

Sex bleibt auch nach den Wechseljahren ein Auslöser; das zeigt vor allem eine große Tagebuchstudie.

Die wichtigste Studie dazu stammt aus den USA: Moore und Kollegen begleiteten 913 Frauen nach den Wechseljahren zwei Jahre lang mit einem täglichen Tagebuch über Sex, Medikamente und Beschwerden. 361 von ihnen (40 %) hatten in dieser Zeit Sex. Zwei Tage nach dem Sex war das Risiko für eine im Labor bestätigte Blasenentzündung etwa 3,4-mal so hoch (Hazard Ratio 3,42), zu anderen Zeitpunkten nicht. Das Muster gleicht dem bei jüngeren Frauen: In einer Studie mit fast 800 jungen Frauen war das Risiko bei einem, drei und fünf Tagen mit Sex in der Vorwoche 1,4-, 2,6- bzw. 4,8-mal so hoch (Gruppe der Studentinnen).

Der Mechanismus ist in jedem Alter derselbe: Beim Sex können Bakterien aus dem eigenen Darm über Damm und Vaginaleingang an die Harnröhrenöffnung gelangen. Nach den Wechseljahren hat die Scheidenflora zusätzlich weniger Milchsäurebakterien. Warum die Lage der Harnröhrenöffnung dabei eine Rolle spielen kann, erklären wir in Die Anatomie hinter Blasenentzündungen nach dem Sex.

Zur Trockenheit: Fehlende Feuchtigkeit und Schmerzen beim Sex gehören zum urogenitalen Menopausensyndrom. Dass mehr Reibung an einer trockenen Schleimhaut das Infektrisiko zusätzlich erhöht, klingt naheliegend, ist aber nicht untersucht.

Lust gehört in jedes Alter. Ob deine Infekte zeitlich mit dem Sex zusammenhängen, ist auch für deine Ärztin wichtig. Die europäische Urologen-Leitlinie (EAU 2026) macht zum Beispiel davon abhängig, ob eine Antibiotika-Vorbeugung dauerhaft oder nur nach dem Sex genommen wird. Notiere dir deshalb ein paar Wochen lang, wann Beschwerden auftreten.

Zum Wasserlassen nach dem Sex ist die Datenlage widersprüchlich. Es schadet nicht, ist aber kein sicherer Schutz. Was die Studien dazu sagen, liest du in Nach dem Sex pinkeln: Was es bringt.

Trockenheit oder Blasenentzündung? So unterscheidest du die Beschwerden

Brennen und Harndrang können beides bedeuten, darum lohnt ein genauer Blick. Typisch für eine Blasenentzündung sind laut Leitlinie Schmerzen beim Wasserlassen und häufiger, starker Harndrang. Beschwerden in der Scheide sprechen eher für eine andere Ursache. Das urogenitale Menopausensyndrom kann aber selbst Harndrang und Brennen machen.

Was du bemerkst Spricht eher für Was du tun kannst
Brennen beim Wasserlassen, häufiger und starker Harndrang, plötzlich einsetzend Blasenentzündung Bei Rückfällen nach den Wechseljahren mit Urinkultur abklären lassen
Trockenheit, Brennen und Reizung an Vulva und Scheide, Schmerzen beim Sex, eher über Wochen Urogenitales Menopausensyndrom Frauenärztin ansprechen; bei leichten Beschwerden helfen oft Gleitmittel und Feuchtigkeitsgele
Neuer oder veränderter Ausfluss Genitalinfektion, etwa eine sexuell übertragbare Infektion Ärztlich abklären, das braucht eine andere Untersuchung
Fieber, Flankenschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen Mögliche Nierenbeckenentzündung Schnell in eine Praxis oder Klinik
Sichtbares Blut im Urin Kann bei einer Blasenentzündung vorkommen Zügig ärztlich abklären lassen
Beschwerden, aber die Urinkultur bleibt ohne Erreger Andere Ursachen, zum Beispiel eine Hauterkrankung der Vulva Weiter abklären lassen, nicht einfach das nächste Antibiotikum

Zur letzten Zeile: Brennen kann auch von der Haut kommen, etwa bei der chronisch-entzündlichen Hauterkrankung Lichen sclerosus. Sie kann laut deutscher S3-Leitlinie (2025) Juckreiz, Brennen, Schmerzen beim Wasserlassen und beim Sex verursachen, auch Blasenschmerzen ohne Bakterien. Die Diagnose stellt eine Ärztin bei der Untersuchung.

Welche Untersuchungen die Leitlinie nach der Menopause vorsieht

Bei einer einzelnen, typischen Blasenentzündung sind laut Leitlinie meist weder Urinkultur noch Untersuchung nötig. Bei Rückfällen nach den Wechseljahren ist das anders: Dann empfiehlt die Leitlinie eine Urinkultur und einen Ultraschall, eine Blasenspiegelung dagegen nicht routinemäßig. Als wiederkehrend gelten mindestens zwei Infekte mit Beschwerden in sechs Monaten oder mindestens drei in zwölf Monaten.

Die Urinkultur zeigt, ob wirklich Bakterien hinter den Beschwerden stecken und welches Antibiotikum passt. Ein Teststreifen aus der Apotheke kann einen Hinweis geben, ein negativer Nitrit-Test schließt eine Infektion aber nicht aus. Was die Streifen können, steht in Teststreifen bei Blasenentzündung richtig lesen.

Vaginales Östrogen (Estriol): Was Leitlinie und Studien sagen

Vaginal angewendetes Östrogen ist die am besten untersuchte Vorbeugung speziell für Frauen nach den Wechseljahren. Östrogentabletten zum Einnehmen beugen Blasenentzündungen dagegen nicht vor.

Die deutsche S3-Leitlinie zu Harnwegsinfektionen (2024) nennt vaginales Östrogen für Frauen nach den Wechseljahren mit wiederkehrenden Infekten. Die DEGAM-Fassung (2025) ordnet die Datenlage dem höchsten Evidenzlevel (1a) zu, die europäische Urologen-Leitlinie (EAU 2026) empfiehlt es mit starker Empfehlung. Estriol und andere vaginale Östrogene sind Arzneimittel und in der Regel verschreibungspflichtig. Welche Form, wie oft und wie lange, entscheidet deine Ärztin. Deshalb nennen wir hier keine Präparate und keine Dosierungen.

Was die Studien zeigen

  • Estriol-Creme (Raz und Stamm 1993): 93 Frauen, acht Monate, doppelblind gegen Placebo. Mit Estriol 0,5 Infekte pro Frau und Jahr, mit Placebo 5,9.
  • Östradiol-Vaginalring (Eriksen 1999): 108 Frauen, 36 Wochen, offen und ohne Placebo. Infektfrei blieben etwa 45 % mit Ring und etwa 20 % ohne Behandlung.
  • Cochrane-Review 2008: Nur zwei kleine Studien zu vaginalem Östrogen mit Vergleichsgruppe (eine mit Placebo, eine ohne Behandlung), beide mit weniger Infekten; die Wirkung hing von Präparat und Dauer ab. Östrogen zum Einnehmen senkte die Infekte in vier Studien mit 2.798 Frauen nicht (relatives Risiko 1,08).
  • Meta-Analyse 2021 (Chen und Kollegen): Fünf randomisierte Studien mit 1.936 Frauen. Mit vaginalem Östrogen sank das Risiko für Rückfälle auf etwa 42 % des Wertes unter Placebo (relatives Risiko 0,42). Für Östrogen zum Einnehmen fand sich in drei Studien kein Unterschied.
  • Meta-Analyse 2026 (Porcari und Kollegen): 17 Studien mit 2.111 Frauen, allerdings ohne Vergleichsgruppen. Nach vaginaler Östrogenbehandlung gab es weniger Rückfälle und weniger Harndrang, Inkontinenz und nächtliches Wasserlassen. Wegen des schwachen Studiendesigns ist das nur ein Hinweis.

Gegen die Trockenheit selbst helfen vaginale Östrogene ebenfalls besser als Placebo, ob als Creme, Zäpfchen, Vaginaltablette oder Ring (Cochrane 2016, 30 Studien, 6.235 Frauen, Studienqualität niedrig bis mittel).

Grenzen und offene Fragen

Die Studien haben Schwächen. In der Studie von Raz und Stamm brachen 28 % der Frauen mit Estriol und 17 % mit Placebo wegen leichter Nebenwirkungen ab. Nur 36 und 24 Frauen beendeten die acht Monate. Als Nebenwirkungen vaginaler Östrogene nennt Cochrane Brustspannen, Schmierblutungen, Ausfluss, Reizung, Brennen und Juckreiz.

Das IQWiG formuliert es vorsichtig: Örtlich angewendetes Östrogen kann manchen Frauen nach den Wechseljahren helfen, Blasenentzündungen seltener zu bekommen. Über die Folgen einer Anwendung über mehr als acht Monate weiß man noch nicht viel. In den Studien ging es um Vorbeugung über Monate, nicht um die Behandlung einer akuten Blasenentzündung.

Hattest du Brustkrebs oder hast du ihn, ist die Lage anders. Laut NAMS reichen die Daten nicht aus, um die Sicherheit vaginaler Östrogene bei Brustkrebs zu bestätigen. Dann entscheidest du gemeinsam mit deiner Onkologin. Für Frauen vor den Wechseljahren gibt es keine kontrollierten Studien zu vaginalem Östrogen gegen Blasenentzündungen, nur eine kleine Pilotstudie ohne Vergleichsgruppe.

Alle Optionen nach den Wechseljahren im Überblick

Die Tabelle zeigt, was es gibt, wie gut es untersucht ist und wer entscheidet. Sie ist kein Ranking; was zu dir passt, hängt von deinen Beschwerden und deiner Gesundheit ab. Ausführlicher findest du die Wege in Blasenentzündung vorbeugen: Was laut Leitlinie belegt ist.

Option Stand der Forschung Einordnung Wer entscheidet Grenzen
Vaginales Östrogen (Creme, Zäpfchen, Ring), über Monate Deutsche und europäische Leitlinie nennen es nach den Wechseljahren; Meta-Analyse: Rückfallrisiko 0,42-fach belegt Ärztin (Rezept) Reizung, Brennen, Abbrüche; bei Brustkrebs mit der Onkologin; Langzeitdaten über 8 Monate dünn
Östrogentabletten zum Einnehmen Kein Vorbeugeeffekt gegen Blasenentzündungen gefunden nicht belegt Ärztin Nicht zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten
Mehr trinken, täglich Nutzen in einer Studie bei Frauen vor den Wechseljahren mit mindestens 3 Blasenentzündungen im Jahr, die unter 1,5 l am Tag tranken belegt nur für Frauen mit häufigen Blasenentzündungen, die wenig trinken; nach den Wechseljahren nicht eigens untersucht du selbst Kein Zusatznutzen belegt, wenn du schon genug trinkst
Orales Immunpräparat aus E.-coli-Bestandteilen (OM-89), 3 Monate Deutsche Leitlinie: „sollte" vor einer Antibiotika-Dauervorbeugung angeboten werden; nach 6 Monaten etwa 42 statt 54 von 100 mit Rückfall unklar (niedrige Studienqualität, Leitlinien uneinig) Ärztin Selbstzahlerleistung; die EAU rät nur im Rahmen von Studien dazu
Methenaminhippurat, täglich Wirkte in einer großen Studie fast so gut wie eine Antibiotika-Dauervorbeugung; seit November 2025 in Deutschland zugelassen belegt (eine große Studie) Ärztin (Rezept) Etwa ein halber Infekt pro Jahr mehr als mit Antibiotikum; Gegenanzeigen, etwa bei eingeschränkter Nierenfunktion
D-Mannose, täglich Größte Studie (Durchschnittsalter 58) ohne Unterschied zu Placebo, auch nach den Wechseljahren nicht nicht belegt du selbst, gern mit Ärztin Leitlinien uneinheitlich
Cranberry-Präparate, täglich Cochrane 2023: bei Frauen mit Rückfällen etwa ein Viertel geringeres Risiko für eine Blasenentzündung, nur während der Einnahme belegt (moderate Vertrauenswürdigkeit) du selbst Mit Blutverdünnern vorher Ärztin oder Apotheke fragen; Saft enthält viel Zucker
Antibiotika-Vorbeugung, täglich oder nach dem Sex Senkt Rückfälle stark; bei täglicher Einnahme hält die Wirkung nach dem Absetzen nicht an belegt Ärztin Nebenwirkungen wie Scheidenpilz; erst, wenn andere Maßnahmen nicht reichen. Die Gabe nach dem Sex formuliert die deutsche Leitlinie für Frauen vor den Wechseljahren, die europäische nennt beide Wege ohne diese Einschränkung
Wasserlassen nach dem Sex Studien widersprüchlich unklar du selbst Schadet nicht, ist aber kein sicherer Schutz
Gleitgel beim Sex Lindert Trockenheit; zu Blasenentzündungen gibt es keine Studie für Blasenentzündungen nicht untersucht du selbst Öle schwächen Latexkondome
Harnwegspflaster, nur bei Bedarf vor dem Sex, wenn die Infekte mit dem Sex zusammenhängen Deckt die Harnröhrenöffnung beim Sex mechanisch ab; in keiner Leitlinie erwähnt Mechanismus plausibel, Wirksamkeit nicht in einer eigenen Studie belegt du selbst Nicht bei gereizter Haut, Diabetes und weiteren Gegenanzeigen; kein Mittel bei akuten Beschwerden

Methenamin wird im sauren Urin zu Formaldehyd umgesetzt und wirkt anders als klassische Antibiotika. Die europäische Leitlinie zählt es zu den nicht-antibiotischen Wegen, die deutsche Fachinformation führt es in der Gruppe „andere Antibiotika“. Eine Antibiotika-Vorbeugung empfiehlt die europäische Leitlinie, wenn andere Maßnahmen nicht reichen, und nennt beide Wege, dauerhaft oder nach dem Sex; was zu dir passt, klärt deine Ärztin. Mehr zu den einzelnen Wegen: Antibiotikum nach dem Sex, Methenamin, Cranberry und D-Mannose.

Was du beim Sex selbst tun kannst: Gleitgel, Gespräch und ein Pflaster

Für den Moment selbst gibt es drei Bausteine: Gleitgel gegen Trockenheit, ein offenes Gespräch und, wenn die Infekte klar nach dem Sex kommen, ein Pflaster, das schon vorher sitzt.

Gleitgel gegen Trockenheit

Bei leichten Beschwerden durch das urogenitale Menopausensyndrom reichen laut NAMS für die meisten Frauen rezeptfreie Gleitmittel und Feuchtigkeitsgele. Zu Gleitgel und Blasenentzündungen gibt es allerdings keine Studie, weder in die eine noch in die andere Richtung. Wir sehen Gleitgel deshalb als Hilfe gegen Trockenheit und Schmerzen, nicht als Vorbeugung.

Beim Kauf lohnt ein Blick aufs Etikett. Öle, Vaseline und Bodylotion schwächen Latexkondome, Gleitmittel auf Wasser- oder Silikonbasis gelten laut WHO als latexverträglich. Viele Gleitmittel sind zudem stark konzentriert (hohe Osmolalität), was die WHO wegen möglicher Schleimhautschäden kritisch sieht. Eine kleine Beobachtungsstudie mit stark konzentriertem Ultraschall-Gel deutet an, dass so ein Gel die Scheidenflora von Frauen in oder nach den Wechseljahren beeinflussen könnte; über Blasenentzündungen sagt sie nichts. Mehr zur Auswahl in Gleitgel und Blasenentzündung: Hilft es oder schadet es?

Darüber reden

Blasenentzündungen nach dem Sex belasten oft beide. Dein Partner ist nicht schuld: Paare teilen Darmbakterien, und keine der geprüften Leitlinien empfiehlt, den Partner bei einer Blasenentzündung mitzubehandeln. Gleitgel, mehr Zeit für euch und ein Pflaster lassen sich leichter einbauen, wenn ihr beide wisst, warum. Was dein Partner wissen sollte, steht in Blasenentzündung und Partner.

Ein Pflaster, das vor dem Sex sitzt

Kommen deine Blasenentzündungen klar ein, zwei Tage nach dem Sex, kannst du beim Sex selbst etwas tun: mit einer mechanischen Barriere vor der Harnröhrenöffnung. PAVAOO® ist ein wirkstofffreies Harnwegspflaster (Medizinprodukt, CE), das vor dem Sex äußerlich aufgeklebt wird und die Harnröhrenöffnung mechanisch abdeckt.

Du klebst es kurz vor dem Sex auf die äußeren Vulvalippen, ein Loch im Pflaster hilft dir, es mit dem Zeigefinger richtig zu platzieren. Es wird beim Sex getragen, der Vaginaleingang bleibt frei. Das verringert den Kontakt von Keimen mit der Harnröhrenöffnung und kann so die Wahrscheinlichkeit verringern, dass sie beim Sex dorthin gelangen. Die Trägerfolie ist hauchdünn: 25 µm, etwa ein Drittel eines Haares. Du verwendest es nur bei Bedarf, nicht täglich.

Das wirkstofffreie Harnwegspflaster ersetzt kein Östrogen und kein Gespräch mit deiner Ärztin. Es ist kein Mittel bei einer akuten Blasenentzündung, kein Verhütungsmittel und kein Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen. Eine unabhängige Studie speziell zu PAVAOO gibt es noch nicht. Wir arbeiten daran.

Bitte achte auf die Gegenanzeigen aus der Gebrauchsanweisung: Nicht kleben solltest du es auf verletzter, gereizter, entzündeter, unregelmäßiger oder infizierter Haut an der Klebestelle, bei einer Allergie gegen Pflaster oder Bestandteile des Pflasters, bei Diabetes, bei Durchblutungsstörungen und bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Psoriasis oder chronischen Ekzemen. Das gilt auch für Hauterkrankungen der Vulva wie Lichen sclerosus. In Schwangerschaft und Stillzeit nur nach ärztlicher Absprache. Ist deine Vulvahaut in den Wechseljahren eher trocken oder empfindlich, klär vorher mit deiner Frauenärztin, ob es für dich infrage kommt. Die Haut an der Klebestelle sollte haarfrei, sauber und trocken sein. Mehr dazu, für wen es nicht infrage kommt, in Pflaster gegen Blasenentzündung?

Gleitgel und Pflaster passen zusammen, wenn die Reihenfolge stimmt: Gleitgel auf Wasser- oder Silikonbasis erst, wenn das Pflaster sitzt. Öle und Cremes kommen laut Gebrauchsanweisung gar nicht an die Klebestelle, sonst hält das Pflaster schlecht. Verwendest du eine Östrogencreme, sprich mit deiner Ärztin, ob sich beides für dich vereinbaren lässt. Mit Kondom lässt sich das Pflaster verwenden. Weitere Details stehen in den Fragen und Antworten, wie es sitzt, zeigt das Anleitungsvideo.

PAVAOO Harnwegspflaster

Ein Pflaster für die Tage mit Sex, nicht für jeden Tag: Es deckt die Harnröhrenöffnung ab, lässt den Vaginaleingang frei und passt zu Gleitgel auf Wasser- oder Silikonbasis.

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Medizinprodukt. Bitte Gebrauchsanweisung beachten.

So sprichst du es in der Praxis an

Vielen Frauen fällt es schwer, Sex, Trockenheit und Blase in einem Termin anzusprechen. Ein Zettel hilft. Diese Fragen kannst du mitnehmen:

  1. Kommen meine Blasenentzündungen wirklich von Bakterien? Brauche ich eine Urinkultur und einen Ultraschall?
  2. Könnte ein urogenitales Menopausensyndrom hinter meinen Beschwerden stecken?
  3. Kommt vaginales Östrogen für mich infrage, und in welcher Form?
  4. Was spricht bei mir dagegen, etwa wegen Brustkrebs in der Vorgeschichte?
  5. Wie lange soll ich es anwenden, und wann schauen wir wieder drauf?
  6. Habe ich Restharn, eine Senkung oder eine Inkontinenz, die man behandeln sollte?
  7. Meine Infekte kommen meist ein, zwei Tage nach dem Sex. Welche Vorbeugung passt dazu?

Bring dein Beschwerde-Tagebuch mit, dann sieht deine Ärztin, ob ein Muster mit dem Sex besteht. Einen Überblick über alle Ursachen und Wege bei Infekten nach dem Sex findest du in Blasenentzündung nach dem Sex.

Geh bitte schnell zur Ärztin oder in eine Klinik, wenn du Fieber, Flankenschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen hast. Siehst du Blut im Urin, lass das zügig abklären. Kommen die Blasenentzündungen immer wieder, ist eine ärztliche Abklärung ohnehin sinnvoll.

Häufige Fragen

Warum bekomme ich in den Wechseljahren häufiger Blasenentzündungen?

Weil sich mit dem sinkenden Östrogen Scheidenflora und Schleimhaut verändern. Es gibt weniger Milchsäurebakterien, der pH-Wert steigt, und Darmbakterien können sich in der Scheide leichter ansiedeln. Dazu kommen bei manchen Frauen Inkontinenz, eine Senkung der Blase oder Restharn. Diese Punkte und den Rückgang des Östrogens nennt die Leitlinie als vermutliche Gründe; die veränderte Scheidenflora zeigt eine Studie von 1993.

Warum bekomme ich in den Wechseljahren nach dem Sex eine Blasenentzündung?

Weil Sex auch nach den Wechseljahren ein Auslöser bleibt: In einer Studie mit 913 Frauen nach der Menopause war das Risiko zwei Tage nach dem Sex etwa 3,4-mal so hoch. Beim Sex können Darmbakterien an die Harnröhrenöffnung gelangen, und die veränderte Scheidenflora kann es ihnen leichter machen.

Hilft Estriol-Creme gegen Blasenentzündung?

Zur Vorbeugung nach den Wechseljahren kann sie helfen; vaginales Östrogen ist dafür der am besten untersuchte Weg. In Studien hatten Frauen mit vaginalem Östrogen deutlich weniger Rückfälle als mit Placebo. Gegen eine akute Blasenentzündung wurde es nicht untersucht. Estriol ist in der Regel verschreibungspflichtig; ob und wie du es anwendest, entscheidet deine Ärztin.

Helfen Hormontabletten auch gegen Blasenentzündungen?

Nein, nicht zur Vorbeugung. Östrogen zum Einnehmen senkte in den Studien die Zahl der Harnwegsinfekte nicht. Wirksam war nur Östrogen, das direkt in der Scheide angewendet wurde.

Scheidentrockenheit oder Blasenentzündung – wie unterscheide ich das?

Trockenheit, Brennen an Vulva und Scheide und Schmerzen beim Sex, die über Wochen bleiben, sprechen eher für das urogenitale Menopausensyndrom. Plötzliches Brennen beim Wasserlassen mit starkem Harndrang spricht eher für eine Blasenentzündung. Weil sich beides überschneiden kann, hilft bei Rückfällen eine Urinkultur. Neuer Ausfluss gehört ebenfalls ärztlich abgeklärt.

Darf ich nach Brustkrebs lokales Östrogen verwenden?

Das entscheidest du mit deiner Onkologin, nicht allein. Laut der nordamerikanischen Menopause-Gesellschaft reichen die Daten nicht aus, um die Sicherheit vaginaler Östrogene bei Brustkrebs zu bestätigen. Für die Trockenheit gibt es auch Gleitmittel und Feuchtigkeitsgele ohne Hormone.

Welche Untersuchungen sind bei häufigen Blasenentzündungen nach der Menopause sinnvoll?

Laut Leitlinie eine Urinkultur und ein Ultraschall. Eine Blasenspiegelung ist nicht routinemäßig nötig. Bei Fieber, Flankenschmerzen oder Blut im Urin solltest du dich schnell melden, dann wird gezielt weiter untersucht.

Kann ich das Harnwegspflaster auch nach den Wechseljahren verwenden?

Ja, wenn deine Blasenentzündungen mit dem Sex zusammenhängen und keine Gegenanzeige vorliegt. Bei einer Allergie gegen Pflaster oder Bestandteile des Pflasters, Diabetes, Durchblutungsstörungen, Hauterkrankungen (auch an der Vulva, etwa Lichen sclerosus) oder verletzter, gereizter, entzündeter, unregelmäßiger oder infizierter Haut an der Klebestelle solltest du es nicht verwenden. Die vollständigen Gegenanzeigen stehen in der Gebrauchsanweisung. Ist deine Vulvahaut durch die Wechseljahre sehr empfindlich, sprich vorher mit deiner Frauenärztin.

Quellen