Blasenentzündung durch Kälte? Was an den Blasen-Mythen dran ist
Ein Nachmittag am See, der nasse Bikini bleibt noch eine Stunde an, und als am Montag das Brennen anfängt, hat deine Mutter die Erklärung schon parat: verkühlt. Oder du trägst den ganzen Winter dicke Socken, wechselst nach jedem Schwimmen sofort die Badesachen, und im Februar ist die nächste Blasenentzündung da. Ob es eine Blasenentzündung durch Kälte überhaupt gibt, ist viel schlechter untersucht, als die vielen Ratschläge vermuten lassen.
Das Wichtigste in Kürze
- Kälte ist kein Erreger: Eine bakterielle Blasenentzündung entsteht durch Bakterien, meist E. coli aus dem eigenen Darm.
- Zu kalten Füßen als Auslöser gibt es nur zwei kleine Studien aus Norwegen von 1992: eine Befragung und einen Fußbad-Versuch mit 29 rückfallgefährdeten Frauen ohne Vergleichsgruppe.
- Einen Winter-Gipfel gibt es nicht: Große Auswertungen aus Großbritannien und den USA zeigen eher mehr Infekte im Sommer oder Herbst und an wärmeren Tagen.
- Baden ist kaum untersucht, zu nassen Badesachen haben wir keine Studie gefunden; trockene Sachen sind angenehm, ein Schutz ist nicht belegt.
- Gut belegt ist ein anderer Auslöser: Sex. Je mehr Tage mit Sex, desto höher das Risiko.
Was ist eine Blasenentzündung durch Kälte? So nennt man im Alltag eine Blasenentzündung, die nach kalten Füßen, Frieren oder nassen Badesachen auftritt. Ausgelöst wird sie wie jede bakterielle Blasenentzündung durch Bakterien; ob Kälte bei anfälligen Frauen dazu beiträgt, wurde bisher nur in zwei kleinen Studien derselben norwegischen Forschungsgruppe untersucht.
Was du tun kannst, wenn sich deine Blasenentzündungen eher nach dem Sex melden, zeigen wir weiter unten.
Blasen-Mythen im Überblick: Was Studien zeigen
Die meisten Alltagsregeln rund um die Blase sind kaum oder gar nicht untersucht. Das heißt nicht, dass sie schaden. Es heißt nur, dass niemand weiß, ob sie vor einer Blasenentzündung schützen. Die Tabelle fasst zusammen, was wir in Leitlinien, Behördeninformationen und Studien gefunden haben. Quellen stehen am Ende des Artikels.
| Mythos | Was Studien zeigen | Urteil |
|---|---|---|
| Kalte Füße lösen eine Blasenentzündung aus. | Zwei kleine norwegische Studien von 1992: In einer Befragung (50 Frauen mit, 50 ohne Infekt) gaben Frauen mit Infekt häufiger an, vorher kalte Füße gehabt zu haben. Nach einem kalten Fußbad hatten 5 von 29 rückfallgefährdeten Frauen innerhalb von 72 Stunden einen Infekt mit Laborbefund, ohne Vergleichsgruppe (Baerheim 1992). | unklar, sehr schwach belegt |
| Wer Füße und Unterleib warm hält, beugt vor. | Laut IQWiG wissenschaftlich bisher nicht gezeigt. | nicht belegt |
| Blasenentzündungen sind eine Winterkrankheit. | Große Auswertungen zeigen keinen Winter-Gipfel: in Großbritannien ein Gipfel der Hausarztbesuche von September bis November, in den USA mehr Infekte bei wärmerem Wetter (Rosello 2018, Simmering 2021, Elser 2022). | nicht belegt, eher umgekehrt |
| Nasse Badesachen lösen eine Blasenentzündung aus. | Keine Studie gefunden. | nicht belegt |
| Im Schwimmbad oder See holt man sich die Keime. | Kaum untersucht. Eine schwedische Studie zeigt nur, dass nach Baden im Freien ein bestimmter Erreger häufiger war als andere (Hedman 1991). Meist stammen die Erreger aus der eigenen Darmflora (Yamamoto 1997). | nicht belegt |
| Auf öffentlichen Toiletten steckt man sich an. | Keine Studie gefunden, die eine Ansteckung über Toilettensitze untersucht hat. | nicht belegt |
| Falsch herum gewischt, selbst schuld. | Kaum untersucht, in einer Fall-Kontroll-Studie kein Zusammenhang (Strom 1987). Die EAU rät Frauen mit wiederkehrenden Infekten trotzdem, von vorn nach hinten zu wischen, bei begrenzten Belegen. | keine Schuldfrage; Wischrichtung unklar, schadet nicht |
| Enge oder synthetische Unterwäsche ist schuld. | In einer Fall-Kontroll-Studie kein Zusammenhang mit Kleidung (Remis 1987). Die EAU rät Frauen mit wiederkehrenden Infekten, eng anliegende Unterwäsche zu meiden, bei begrenzten Belegen. | unklar |
| Blasenentzündungen kommen von mangelnder Hygiene. | Ein Schutz durch besondere Intimhygiene ist nicht belegt. Warmes Wasser reicht (IQWiG). | nicht belegt |
| Intimsprays, Waschlotionen oder Spülungen beugen vor. | Sprays und Lotionen sind laut IQWiG überflüssig. Scheidenspülungen rät die EAU zu meiden, bei begrenzten Belegen. | nicht belegt |
| Tampons begünstigen Blasenentzündungen. | Zwei Fall-Kontroll-Studien mit Studentinnen widersprechen sich: Eine sehr kleine fand einen mäßigen Zusammenhang (Foxman 1985), eine andere keinen (Strom 1987). | unklar |
| Viel trinken hilft immer. | Belegt ist ein Nutzen für Frauen mit häufigen Blasenentzündungen, die bisher unter 1,5 Liter am Tag trinken (Hooton 2018, 140 Frauen vor den Wechseljahren). | belegt nur für Frauen mit häufigen Infekten, die wenig trinken |
| Nach dem Sex pinkeln verhindert sie. | Studien widersprechen sich, die Leitlinie nennt die Daten widersprüchlich. | unklar, schadet nicht |
| Sex ist ein Auslöser. | In einer großen Tagebuch-Studie stieg das Risiko mit der Zahl der Tage mit Sex (Hooton 1996), auch nach den Wechseljahren war es nach dem Sex erhöht (Moore 2008). | belegt |
Fast alle Regeln, die mit Kälte, Wasser und Sauberkeit zu tun haben, sind unklar oder nicht belegt. Klar belegt sind in der Tabelle nur zwei Punkte: Sex als Auslöser und mehr trinken, wenn du häufig Blasenentzündungen hast und bisher wenig trinkst.
Blasenentzündung durch Kälte: Was die Studien zeigen
Wissenschaftlich untersucht wurde die Vorstellung, dass Kälte eine Blasenentzündung auslöst, bisher nur in zwei kleinen Studien aus Norwegen von 1992. Sie deuten an, dass Kälte bei anfälligen Frauen ein Auslöser sein könnte. Bewiesen ist das nicht.
In der ersten, einer Befragung, verglichen die Forschenden 50 Frauen mit Harnwegsinfekt mit 50 Frauen ohne. Frauen mit Infekt gaben häufiger an, dass vorher Füße, Hände oder der Po kalt gewesen waren. Solche Befragungen sind anfällig für Erinnerungsfehler: Wer gerade einen Infekt hat, sucht eher nach einer Erklärung. Die zweite Studie war ein Versuch mit einem kalten Fußbad.
Der Fußbad-Versuch: Wer teilnahm und was gemessen wurde
Teilgenommen haben 29 Frauen zwischen 19 und 68 Jahren, die im Jahr davor mindestens drei Harnwegsinfekte gehabt hatten. Sie stellten Unterschenkel und Füße 30 Minuten lang in Wasser, das immer kälter wurde. In den 72 Stunden danach bekamen 6 von ihnen Blasenbeschwerden, im Mittel nach 55 Stunden. Bei 5 bestätigte das Labor einen Infekt. In den 72 Stunden vor dem Fußbad hatte keine Frau Beschwerden.
Warum das als Beweis nicht reicht
- Keine Kontrollgruppe: Es gab keine Frauen, die zum Vergleich ein warmes Fußbad bekamen. Bei Frauen mit drei oder mehr Infekten im Jahr kommt ein neuer Infekt auch ohne Fußbad immer wieder vor.
- Sehr klein: 29 Teilnehmerinnen, 5 bestätigte Infekte. Eine Wiederholung durch andere Forschungsgruppen haben wir nicht gefunden.
- Nur anfällige Frauen: Was für Frauen mit vielen Rückfällen gilt, lässt sich nicht auf alle übertragen.
- Offen, nicht zufällig verteilt: Die Studie war nicht verblindet und verglich nur ein Vorher mit einem Nachher.
Gängige Erklärungen, wie Kälte wirken könnte, etwa über eine schlechtere Durchblutung, wurden in diesem Versuch nicht gemessen. Gemessen wurden Beschwerden und Urinbefunde.
Was daraus folgt
Das IQWiG, das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, zählt den Rat, Füße und Unterleib nicht kalt werden zu lassen, zu den Tipps, für die wissenschaftlich bisher nicht gezeigt ist, dass sie helfen. Warme Socken schaden nicht, und sie fühlen sich gut an. Eine Vorbeugung, auf die du dich verlassen kannst, sind sie nicht.
Wichtiger ist die Umkehrung: Wenn du nach einem kalten Tag eine Blasenentzündung bekommst, hast du dir nicht zu wenig Mühe gegeben. Der Infekt kommt von Bakterien, und viele Faktoren dahinter kannst du gar nicht steuern.
Ist die Blasenentzündung eine Winterkrankheit?
Nein. In den Auswertungen, die wir gefunden haben, gibt es keinen Gipfel im Winter: Harnwegsinfekte waren im Sommer oder im Herbst am häufigsten. Warum das so ist, wissen die Forschenden nicht sicher.
Vier Auswertungen zeigen in dieselbe Richtung:
- Großbritannien, landesweit: Bei fast einer Million Hausarztbesuchen wegen Harnwegsinfekten (2008 bis 2015) lag der Gipfel bei 14- bis 69-Jährigen zwischen September und November. Bei Menschen ab 85 gab es keinen jahreszeitlichen Gipfel (Rosello 2018).
- Eine Hausarztpraxis: Über drei Jahre gab es bei Frauen einen statistisch deutlichen Gipfel im August (Anderson 1983).
- US-Versichertendaten: Bei fast 16 Millionen Harnwegsinfekt-Diagnosen (2001 bis 2015) waren ambulant behandelte Infekte bei Frauen 20 bis 30 % häufiger, wenn die Woche davor im Mittel 25 bis 30 °C warm war, als bei 5 bis 7,5 °C (Simmering 2021).
- Kalifornien: Unter 787.186 ambulanten Harnwegsinfekten (2015 bis 2017, 89 % bei Frauen) lag bei Frauen die Diagnoserate am selben Tag um 3,2 % höher, ein kleiner Anstieg, wenn die Tagestemperatur von 6,0 auf 16,2 °C stieg. Noch wärmere Tage änderten nichts mehr. Am deutlichsten war der Zusammenhang im Herbst (Elser 2022).
Auch hier gilt: Das sind Zusammenhänge, keine Ursachen. Die Auswertungen beruhen auf Diagnosen aus Praxen und Versicherungsdaten, nicht immer mit Laborbefund. Eine Aussage wie „Hitze verursacht Blasenentzündungen“ lässt sich daraus genauso wenig ableiten wie „Kälte verursacht Blasenentzündungen“. Sicher ist nur: Das Bild von der typischen Winter-Blasenentzündung passt nicht zu den Zahlen.
Blasenentzündung nach dem Schwimmbad: Woher die Keime kommen
Die Keime kommen sehr wahrscheinlich nicht aus dem Becken. Untersucht ist das Baden kaum: Zu nasser Badekleidung haben wir keine Studie gefunden, zum Baden nur eine ältere aus Schweden. Die europäische Urologen-Leitlinie, der britische Gesundheitsdienst NHS und das IQWiG sagen nichts dazu, ob Baden Blasenentzündungen auslöst.
In der schwedischen Studie von 1991 wurden 270 Harnwegsinfekte durch einen bestimmten Erreger, Staphylococcus saprophyticus, mit 276 anderen Harnwegsinfekten verglichen. Die Infekte durch diesen Erreger hingen besonders oft mit vorherigem Baden im Freien zusammen (Hedman 1991). Das zeigt nur, dass dieser Erreger nach dem Baden häufiger war als andere. Dass Baden Blasenentzündungen auslöst, zeigt es nicht.
Gut untersucht ist dagegen, woher die Erreger meistens stammen. In einer bundesweiten Studie (2019 bis 2021) fand sich das Darmbakterium E. coli in 75,4 % der positiven Urinkulturen. Und in einer genetischen Untersuchung dominierte der Stamm aus der Blase bei 7 von 9 Frauen auch die eigene Darmflora. Die Bakterien sind also meist schon da, bevor du ins Wasser gehst. E. coli gehört zur normalen Darmflora und findet sich deshalb auch im Damm- und Scheidenbereich, das hat mit Sauberkeit nichts zu tun.
Und der nasse Bikini?
Ob ein nasser Badeanzug eine Blasenentzündung auslöst, dazu haben wir keine Studie gefunden. Die Erklärung, im feuchtwarmen Stoff vermehrten sich Bakterien, liest man oft, belegt ist sie nicht. Trockene Sachen anzuziehen ist angenehm. Dass es vor einer Blasenentzündung schützt, ist nicht belegt.
Ob ein sehr kalter See bei stark anfälligen Frauen ähnlich wirkt wie das Fußbad in der norwegischen Studie, dazu haben wir keine Studie gefunden. Das IQWiG beschreibt, dass viele Frauen mit häufigen Blasenentzündungen Freizeitaktivitäten wie Schwimmen meiden. Wenn es dir auch so geht: Aus den Studien ergibt sich dafür kein Grund. Ob du ins Wasser gehst, entscheidest du.
Trotz Hygiene eine Blasenentzündung? Es liegt nicht an dir
Eine Blasenentzündung ist kein Zeichen mangelnder Hygiene. Ein Schutz durch besondere Intimpflege ist nicht belegt. Das IQWiG hält Intimsprays und Waschlotionen für überflüssig, warmes Wasser genügt.
Wenn du dich seit Jahren an jede Regel hältst und dich trotzdem fragst, was du falsch machst: Nach allem, was die Studien zeigen, liegt es nicht an deiner Pflege.
Wischrichtung
Von vorn nach hinten wischen kannst du gern beibehalten, es kostet nichts. Untersucht ist es kaum: In einer Fall-Kontroll-Studie mit Studentinnen hing die Wischrichtung nicht mit Harnwegsinfekten zusammen (Strom 1987). Die DEGAM-Leitlinie für Hausarztpraxen schreibt, sie reduziere das Risiko „möglicherweise“. Die europäische Leitlinie (EAU 2026) rät, Frauen mit wiederkehrenden Blasenentzündungen zu beraten, Wischen von hinten nach vorn zu meiden, und betont im selben Abschnitt, dass die Belege für solche Ratschläge begrenzt sind.
Unterwäsche, Seifen, Spülungen
Für Baumwolle oder bestimmte Kleidung gibt es keinen Beleg. In einer Fall-Kontroll-Studie hing Kleidung nicht mit Harnwegsinfekten zusammen (Remis 1987). Die EAU rät Frauen mit wiederkehrenden Infekten, eng anliegende Unterwäsche und Scheidenspülungen zu meiden, wieder mit dem Hinweis auf begrenzte Belege. Wer Spülungen weglässt, verliert also nichts.
Pinkeln nach dem Sex
Ob Wasserlassen nach dem Sex vorbeugt, ist nicht geklärt, die Studien widersprechen sich. Es schadet nicht, ein sicherer Schutz ist es nicht. Warum viele Frauen trotz Toilettengang Blasenentzündungen bekommen, erklären wir in Nach dem Sex pinkeln.
Was wirklich eine Rolle spielt
Andere Faktoren sind besser untersucht, und einige davon hast du nicht in der Hand. Bei jungen Frauen mit wiederkehrenden Infekten waren in einer Studie häufiger Sex, ein neuer Partner, eine erste Harnwegsinfektion mit 15 Jahren oder früher und eine Mutter, die selbst Harnwegsinfekte hatte, mit einem höheren Risiko verbunden (Scholes 2000). Die Forschenden vermuten, dass auch Veranlagung und Familie mitspielen. Warum manche Frauen anfälliger sind als andere, beschreiben wir in Die Anatomie dahinter.
Kalte Füße und Harndrang: Reizung oder Infekt?
Nicht jeder Harndrang nach Kälte ist eine Blasenentzündung. Forschende gehen davon aus, dass Kälte den Drang zur Toilette verstärken kann. Eine Infektion erkennst du eher an Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen.
In einer kleinen japanischen Studie mit 50 Teilnehmenden eines Gesundheitsseminars (43 Frauen, 7 Männer, im Mittel etwa 66 Jahre alt) hatten diejenigen, die sich selbst als kälteempfindlich beschrieben, mehr Blasenbeschwerden wie häufigen oder dringenden Harndrang (Inoue 2012). Eine Infektion wurde in dieser Studie nicht untersucht. Die Forschenden gehen davon aus, dass Kältestress Harndrang und häufiges Wasserlassen verstärken kann.
Laut DEGAM-Leitlinie ist ein Harnwegsinfekt sehr wahrscheinlich, wenn eine Frau Schmerzen beim Wasserlassen und häufigen, starken Harndrang hat oder selbst einen Infekt vermutet. Dein eigener Verdacht zählt also mit. Kommen dagegen Beschwerden in der Scheide dazu, etwa Juckreiz oder neuer Ausfluss, können andere Ursachen dahinterstecken. Wie zuverlässig ein Urintest aus der Apotheke ist, liest du in Teststreifen bei Blasenentzündung.
Wann du zur Ärztin solltest
Bei diesen Zeichen gehört die Blasenentzündung zügig in ärztliche Hände, egal ob du sie auf Kälte, Schwimmbad oder Sex zurückführst:
- Fieber, Schmerzen in der Flanke, Übelkeit oder Erbrechen: Das kann auf eine Nierenbeckenentzündung hinweisen. Dann schnell in eine Arztpraxis oder ein Krankenhaus.
- Sichtbares Blut im Urin: rasch abklären lassen.
- Schwangerschaft, Vorerkrankungen oder ein geschwächtes Immunsystem: Dann gilt der Infekt nicht automatisch als unkompliziert.
- Häufige Rückfälle: Ab mindestens 2 Infekten in 6 Monaten oder mindestens 3 in 12 Monaten spricht man von wiederkehrenden Blasenentzündungen. Laut EAU 2026 soll die Diagnose dann mit einer Urinkultur gesichert werden. Was danach möglich ist, ordnen wir in Chronische Blasenentzündung ein.
Warme Socken oder eine Wärmflasche können sich angenehm anfühlen, eine Behandlung sind sie nicht. Und wenn Beschwerden trotz negativer Urinkultur bleiben, lohnt der Blick auf andere Ursachen, zum Beispiel sexuell übertragbare Infektionen wie Chlamydien.
Was als Auslöser wirklich belegt ist
Einer der am besten belegten Auslöser für Blasenentzündungen bei Frauen ist nicht die Kälte, sondern der Sex. Daran ist niemand schuld, weder du noch dein Partner: Beim Sex gelangen Keime einfach leichter an die Harnröhrenöffnung.
Die Belege sind deutlich stärker als beim kalten Fußbad:
- In einer Studie mit 796 jungen Frauen, die sechs Monate Tagebuch führten, stieg das Risiko mit der Zahl der Tage mit Sex in der Vorwoche: In der Gruppe der Studentinnen (348 Frauen) war es bei 1, 3 und 5 Tagen mit Sex 1,4-, 2,6- bzw. 4,8-mal so hoch wie ohne Sex, in der zweiten Gruppe (448 Versicherte einer US-Krankenkasse) 1,2-, 1,9- bzw. 3,0-mal (Hooton 1996).
- Bei 913 Frauen nach den Wechseljahren war das Risiko zwei Tage nach dem Sex etwa 3,4-mal so hoch (Moore 2008).
- In einer kleinen US-Studie, die 31 Frauen ein Jahr lang begleitete, hatten alle Frauen in den zwei Wochen vor einem ärztlich bestätigten Infekt Sex gehabt. Ernährung und andere Verhaltensweisen zeigten keinen zeitlichen Zusammenhang (Worby 2022). Das Zeitfenster ist weit, fast alle Teilnehmerinnen hatten in zwei Wochen Sex. Ein Beleg, dass jeder Infekt vom Sex kommt, ist das nicht.
Der Weg dahinter: Beim Sex können Bakterien aus dem eigenen Darm über den Damm- und Scheidenbereich an die Harnröhrenöffnung gelangen. Ob die Infekte zeitlich mit dem Sex zusammenhängen, ist laut europäischer Urologen-Leitlinie für die Ärztin wichtig, etwa für die Wahl zwischen dauerhafter Antibiotika-Vorbeugung und einer Einnahme nach dem Sex. Mehr zu Ursachen und Mustern liest du in Blasenentzündung nach dem Sex, die Optionen aus den Leitlinien in Blasenentzündung vorbeugen.
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Für kalte Füße oder den Badesee ist es nicht gedacht, nur für den Sex. Es ist kein Mittel bei einer akuten Blasenentzündung, kein Verhütungsmittel und schützt nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen. Nicht geeignet ist es bei verletzter, gereizter, entzündeter, unregelmäßiger oder infizierter Haut an der Klebestelle, bei einer Allergie gegen Pflaster oder Bestandteile des Pflasters, bei Diabetes, Durchblutungsstörungen oder Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Psoriasis oder chronischen Ekzemen. In Schwangerschaft und Stillzeit nur nach ärztlicher Absprache. Eine unabhängige Studie speziell zu PAVAOO gibt es noch nicht. Wir arbeiten daran. Anwendung und Grenzen im Detail findest du in Pflaster gegen Blasenentzündung.
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Häufige Fragen
Kann man durch Kälte eine Blasenentzündung bekommen?
Kälte allein bringt keine Bakterien in die Blase. Zwei kleine norwegische Studien von 1992 deuten an, dass Kälte bei anfälligen Frauen ein Auslöser sein könnte: In einer Befragung berichteten Frauen mit Infekt häufiger von kalten Füßen, in einem Versuch mit 29 rückfallgefährdeten Frauen folgten auf ein kaltes Fußbad 5 Infekte. Die Befragung beruht auf Erinnerungen, dem Versuch fehlte eine Vergleichsgruppe, und andere Forschungsgruppen haben das nicht wiederholt. Belegt ist es deshalb nicht.
Wie schnell kommt eine Blasenentzündung nach Kälte?
Gemessen hat das nur der Fußbad-Versuch: Nach einem 30-minütigen kalten Fußbad traten bei 6 von 29 Frauen innerhalb von 72 Stunden Blasenbeschwerden auf, im Mittel nach 55 Stunden. Bei 5 bestätigte das Labor einen Infekt. Eine feste Zeitspanne für alle Frauen lässt sich daraus nicht ableiten.
Kann ein nasser Bikini oder Badeanzug eine Blasenentzündung auslösen?
Eine Studie dazu haben wir nicht gefunden. Nasse Badesachen zu wechseln fühlt sich besser an. Dass es vor Blasenentzündungen schützt, ist nicht belegt.
Woher kommt eine Blasenentzündung nach dem Schwimmbad oder dem Baden im See?
Sehr wahrscheinlich nicht aus dem Wasser. Die Erreger stammen meist aus der eigenen Darmflora, am häufigsten ist E. coli. Eine Studie, die Chlor- oder Seewasser als Quelle untersucht hat, haben wir nicht gefunden. Dass ein Infekt auf einen Badetag folgt, beweist noch keinen Zusammenhang.
Bekommt man eine Blasenentzündung durch mangelnde Hygiene?
Nein, dafür gibt es keinen Beleg. Auch Frauen, die sehr auf ihre Pflege achten, bekommen Blasenentzündungen, weil die Erreger meist aus dem eigenen Darm stammen. Ein Nutzen von häufigerem Waschen oder speziellen Produkten ist nicht belegt.
Kalte Füße und sofort Harndrang: Ist das schon eine Blasenentzündung?
Nicht unbedingt. Forschende gehen davon aus, dass Kälte den Harndrang verstärken kann, ohne dass ein Infekt dahintersteckt. Brennt es beim Wasserlassen und musst du häufig und dringend, ist ein Harnwegsinfekt dagegen sehr wahrscheinlich. Dann lass es ärztlich abklären, bei Fieber oder Flankenschmerzen schnell.
Blase verkühlt: Was tun?
„Verkühlt“ ist keine medizinische Diagnose. Achte auf die Beschwerden: Nur Harndrang ohne Brennen macht einen Infekt weniger wahrscheinlich, ausgeschlossen ist er nicht. Lässt der Drang nicht nach oder kommen Brennen, Schmerzen beim Wasserlassen, Blut im Urin oder Fieber dazu, gehört das in die Hausarzt- oder Frauenarztpraxis.
Quellen
- Baerheim A, Laerum E, Scand J Prim Health Care 1992;10:157-60 (Kälte, Fußbad-Versuch) (abgerufen am 30.10.2026)
- Baerheim A, Laerum E, Sulheim O, Scand J Prim Health Care 1992;10:72-5 (Kälte, Befragung) (abgerufen am 30.10.2026)
- Rosello A et al., Epidemiol Infect 2018;146:37-45 (Jahreszeit, Großbritannien) (abgerufen am 30.10.2026)
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- Strom BL et al., Ann Intern Med 1987;107:816-23 (Risikofaktoren, Wischrichtung, Tampons) (abgerufen am 30.10.2026)
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- Hooton TM et al., N Engl J Med 1996;335:468-74 (Sex als Risikofaktor) (abgerufen am 30.10.2026)
- Moore EE et al., J Gen Intern Med 2008;23:595-9 (Sex nach den Wechseljahren) (abgerufen am 30.10.2026)
- Worby CJ et al., Nat Microbiol 2022;7:630-9 (Verlauf über ein Jahr) (abgerufen am 30.10.2026)
- Scholes D et al., J Infect Dis 2000;182:1177-82 (wiederkehrende Infekte) (abgerufen am 30.10.2026)
- EAU, Guidelines on Urological Infections 2026 (abgerufen am 30.10.2026)
- DEGAM, Anwenderversion zur S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen 2025 (abgerufen am 30.10.2026)
- NHS, Urinary tract infections (UTIs), geprüft 11.07.2025 (abgerufen am 30.10.2026)
- IQWiG, Blasenentzündungen vorbeugen 2023 (abgerufen am 30.10.2026)
- Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Blasenentzündung 2024 (abgerufen am 30.10.2026)