Blasenentzündung trotz Kondom? Was das Kondom kann und was nicht
Eine Blasenentzündung trotz Kondom ist kein Zeichen, dass ihr etwas falsch gemacht habt. Das Kondom sitzt auf dem Penis und erfüllt dort seine Aufgaben: Es verhütet und schützt vor vielen Geschlechtskrankheiten. Die Blasenentzündung beginnt aber an einer Stelle, die das Kondom gar nicht abdeckt: an deiner Harnröhrenöffnung, knapp oberhalb des Vaginaleingangs.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Kondom schützt vor Schwangerschaft und vielen sexuell übertragbaren Infektionen, vor Blasenentzündungen aber nicht nachweislich, denn es umhüllt den Penis und lässt deine Harnröhrenöffnung frei.
- In älteren Fall-Kontroll-Studien war häufige Kondomnutzung eher mit mehr Harnwegsinfekten verbunden, am deutlichsten bei Kondomen mit Spermizid (meist Nonoxinol-9); eine Ursache ist damit nicht belegt.
- Sex ohne Kondom ist keine Vorbeugung: Auch dabei gelangen Keime an die Harnröhrenöffnung, und in einer kleinen Studie war die natürliche Abwehr der Scheide gegen E. coli nach Sex ohne Kondom noch Stunden später geschwächt, mit Kondom weniger und kürzer.
- Zu Oralverkehr, Sexspielzeug und Sex während der Periode haben wir keine Studie gefunden, die Blasenentzündungen gezielt untersucht, für Analverkehr gibt es nur einzelne Hinweise.
- Wer immer wieder nach dem Sex eine Blasenentzündung bekommt, kann das Kondom mit einer Abdeckung der Harnröhrenöffnung kombinieren, die vor dem Sex aufgeklebt und beim Sex getragen wird.
Was bedeutet Blasenentzündung trotz Kondom? Eine Blasenentzündung nach dem Sex, obwohl ein Kondom benutzt wurde. Sie entsteht meist durch Bakterien aus dem eigenen Darm, die beim Sex an die Harnröhrenöffnung gelangen. Ein Kondom deckt diese Stelle nicht ab.
Was du zusätzlich zum Kondom tun kannst, steht weiter unten.
Wie kommt es zur Blasenentzündung trotz Kondom?
Weil die Keime meist gar nicht vom Partner stammen und das Kondom die Stelle, an die sie gelangen, nicht abdeckt. In einer bundesweiten Studie aus Deutschland (2019 bis 2021) fand sich bei unkomplizierten Harnwegsinfekten in rund drei Viertel der positiven Urinproben das Darmbakterium E. coli. Meist stammt es aus dem eigenen Darm. Es kann sich auch auf der Haut rund um After und Damm befinden, das ist bei allen Menschen so und hat mit Hygiene nichts zu tun.
Beim Sex bewegen sich Haut und Schleimhaut gegeneinander. Dabei können diese Bakterien an die Harnröhrenöffnung geschoben werden. Sie liegt zwischen den inneren Vulvalippen, oberhalb des Vaginaleingangs und sehr nah daran: Bei Frauen mit häufigen Blasenentzündungen nach dem Sex lagen in einer kleinen griechischen Fall-Kontroll-Studie im Median rund 1,6 Zentimeter dazwischen, bei Frauen ohne solche Infekte rund 2,1. Ob der Abstand selbst eine Rolle spielt, ist umstritten. Von der Harnröhrenöffnung ist der Weg in die Blase kurz. Das Kondom umhüllt den Penis. Deine Harnröhrenöffnung liegt beim Sex trotzdem frei, mit oder ohne Kondom.
Darum zählt für das Risiko vor allem der Sex selbst. In einer großen US-Studie mit jungen Frauen stieg es in der Gruppe der Studentinnen mit der Zahl der Tage mit Sex: Bei drei Tagen mit Sex in der Vorwoche war es etwa 2,6-mal so hoch wie ohne Sex, bei fünf Tagen 4,8-mal. Warum gerade Frauen so oft betroffen sind und welche Rolle die Anatomie spielt, erklären wir in Warum immer nach dem Sex eine Blasenentzündung? Den Überblick über Ursachen, Beschwerden und Behandlung findest du in Blasenentzündung nach dem Sex.
Was Studien über Kondome und Blasenentzündungen zeigen
Ein Schutz durch Kondome ist nicht belegt. Mehrere Studien aus den USA fanden eher das Gegenteil, eine fand einen kleinen Vorteil:
- In einer US-Studie war die Nutzung von Kondomen öfter als einmal pro Woche zunächst mit einem etwa doppelt so hohen Risiko verbunden. Rechnete man die Häufigkeit des Sex heraus, blieb nur das Kondom mit Spermizid-Beschichtung als eigener Risikofaktor übrig.
- In einer weiteren Studie mit 519 jungen Frauen zwischen 15 und 29 Jahren war auch die ausschließliche Nutzung von Kondomen ohne Spermizid mit mehr Harnwegsinfekten verbunden, obwohl die Häufigkeit des Sex berücksichtigt war. Die Zahl der Betroffenen war allerdings klein, die Werte sind sehr unsicher.
- Bei Studentinnen mit ihrer ersten Harnwegsinfektion schnitten Kondome ohne Gleitbeschichtung besonders ungünstig ab. Mit gleitbeschichteten Kondomen (auch solchen mit Spermizid im Gleitmittel) oder zusätzlichem Spermizid-Gel war das Risiko geringer, lag aber immer noch beim Zwei- bis Achtfachen von Frauen, die gar nicht verhüteten. Separates Gleitgel wurde dabei nicht untersucht.
- Etwas anders sah es in einer Studie aus, die 285 Studentinnen nach ihrer ersten Harnwegsinfektion ein halbes Jahr begleitete: Bei den Frauen, deren erster Infekt von E. coli kam, trat mit Kondom ein zweiter Infekt durch einen anderen Erreger etwas seltener auf. Auf einen Rückfall mit demselben E.-coli-Stamm hatte das Kondom keinen Einfluss. Welche Art Kondom die Frauen benutzten, ist nicht angegeben.
Alle diese Studien zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen. Sie beruhen auf Befragungen, die Gruppen waren oft klein, und alle stammen aus den 1990er- und frühen 2000er-Jahren. Neue Partner und häufiger Sex sind eigene Risikofaktoren, und nicht jede Studie konnte sie sauber herausrechnen. Ob Reibung, die Beschichtung oder ganz andere Faktoren hinter den Befunden stecken, ist nicht geklärt. Kondome bleiben laut WHO das einzige Verhütungsmittel, das zugleich vor vielen Geschlechtskrankheiten schützt. Für dich heißt das: Dass das Kondom deine Blasenentzündungen auslöst, ist nicht belegt. Dass es davor schützt, aber auch nicht.
Kondom-Typen: Was über sie bekannt ist
Einen klaren Zusammenhang gibt es nur bei Kondomen mit Spermizid. Für alle anderen Typen fehlt ein klarer Beleg in die eine oder die andere Richtung.
| Kondom-Typ | Was Studien zu Blasenentzündungen zeigen | Einordnung |
|---|---|---|
| Mit Spermizid-Beschichtung (meist Nonoxinol-9) | In mehreren US-Studien deutlich mit Harnwegsinfekten verbunden, auch nach Herausrechnen der Häufigkeit des Sex. Auch Infekte durch Staphylococcus saprophyticus, einen typischen Erreger bei jungen Frauen, waren häufiger (Fihn 1996, Fihn 1998, Handley 2002). | erhöhtes Risiko belegt (Zusammenhang) |
| Ohne Spermizid | Kein Schutz nachgewiesen. In einer Studie mit 519 jungen Frauen war die ausschließliche Nutzung mit mehr Infekten verbunden, die Werte sind sehr unsicher (Handley 2002). Ob die Kondome gleitbeschichtet waren, ist nicht angegeben. | unklar |
| Mit Gleitbeschichtung (mit oder ohne Spermizid im Gleitmittel) | Bei Studentinnen mit erster Harnwegsinfektion seltener verbunden als Kondome ohne Gleitbeschichtung, aber häufiger als bei Frauen ohne Verhütung (Foxman 1997). | unklar |
| Ohne Gleitbeschichtung („trocken") | In einer kleinen Studie mit Studentinnen besonders ungünstig, extrem breite Unsicherheit (Foxman 1997). | unklar, ein Hinweis |
| Kondom allgemein (Typ nicht angegeben) | Bei Studentinnen nach einem ersten E.-coli-Infekt etwas seltener ein zweiter Infekt durch einen anderen Erreger, kein Einfluss auf einen Rückfall mit demselben E. coli (Foxman 2000). | ein Gegenhinweis |
| Latexfrei (Polyurethan, Polyisopren) | Zu Blasenentzündungen keine Studie gefunden. Polyisopren ist ebenso ölempfindlich wie Latex, Polyurethan nicht (WHO 2012). | offen, keine Studie gefunden |
| Kondom plus separates Gleitgel | Keine Studie gefunden. Öl, Vaseline und Bodylotion schwächen Latex und können es reißen lassen, Gleitgel auf Wasser- oder Silikonbasis ist verträglich (WHO 2012). | offen, keine Studie gefunden |
Spermizid: Nicht nur Kondome mit Spermizid-Beschichtung, auch das Diaphragma mit Spermizid war in Studien mit einem deutlich höheren Risiko verbunden. Eine mögliche Erklärung ist die Scheidenflora: In einer Studie mit 104 Frauen stieg der Anteil mit E. coli im Urin nach dem Sex deutlich an, wenn sie mit Diaphragma und Spermizid-Gel oder mit Spermizid-Schaum plus Kondom verhüteten. Bei Frauen mit Pille stieg er nur leicht. Ob ein Kondom oder Zäpfchen ein Spermizid enthält, steht auf der Packung (meist Nonoxinol-9). Wenn du so etwas benutzt und oft Blasenentzündungen hast, kannst du ärztlich besprechen, ob ein Wechsel infrage kommt.
Latex und latexfrei: Eine Studie, die Latex mit Blasenentzündungen in Verbindung bringt, haben wir nicht gefunden. Eine Allergie oder Reizung durch Gummizusätze, die Beschichtung oder ein Spermizid kann aber an der Vulva brennen, jucken oder anschwellen und sich ähnlich anfühlen. Dann hilft die Ärztin, das zu unterscheiden. Kondome aus Polyurethan oder Polyisopren kommen infrage, wenn einer von euch Latex nicht verträgt. Eine Studie, ob sie bei Blasenentzündungen einen Unterschied machen, haben wir nicht gefunden.
Gleitgel: Ob separates Gleitgel Blasenentzündungen begünstigt oder seltener macht, dazu haben wir keine Studie gefunden. Welches Gleitgel zum Kondom passt, steht in der Tabelle oben. Was an Glycerin, pH-Wert und Spermizid im Gleitgel dran ist, steht in Gleitgel und Blasenentzündung.
Ohne Kondom: Ändert ungeschützter Sex das Risiko?
Nicht so, wie viele vermuten. Die Kondom-Studien zeigen kein einheitliches Bild: In den meisten hatten Frauen mit Kondom eher mehr Harnwegsinfekte, in einer etwas seltener einen zweiten Infekt durch einen anderen Erreger. Einen klaren Vor- oder Nachteil von Sex ohne Kondom belegen sie nicht.
Sex ohne Kondom ist trotzdem keine Vorbeugung, denn auch dabei gelangen Keime an die Harnröhrenöffnung. In der Studie mit 104 Frauen hatten auch die Frauen, die mit der Pille und damit ohne Spermizid verhüteten, nach dem Sex etwas häufiger E. coli im Urin als vorher. Direkt verglichen hat das eine kleine US-Studie, in der 42 Frauen per Los einmal Sex mit oder ohne Kondom hatten: Ohne Kondom waren acht bis zwölf Stunden danach deutlich mehr E. coli in der Scheide und etwas mehr im Urin nachweisbar. Mit Kondom stiegen andere Darmbakterien deutlich an, E. coli nur tendenziell. Blasenentzündungen hat die Studie nicht gemessen. Der Sex selbst bringt die Keime in Richtung Blase.
Spielt Sperma eine Rolle?
Möglicherweise, belegt ist es nicht. In einer kleinen US-Studie gaben 17 Frauen Proben aus der Scheide ab: nach 72 Stunden ohne Sex, nach Sex mit Kondom und nach Sex ohne Kondom. Nach dem Sex ohne Kondom stieg der pH-Wert in der Scheide, und die natürliche Fähigkeit der Scheidenflüssigkeit, E. coli zu hemmen, sank deutlich: im Median von 63 Prozent vorher auf 5 Prozent zwei bis sechs Stunden danach, und auch nach zehn bis 14 Stunden blieb sie niedrig. Nach Sex mit Kondom sank sie ebenfalls, aber weniger (auf 27 Prozent) und nur für kurze Zeit, der pH-Wert blieb gleich. Im Labor förderte Samenflüssigkeit das Wachstum von E. coli. Die Forschenden sehen darin einen möglichen Grund, warum sich E. coli nach dem Sex leichter in der Scheide ansiedelt.
Die Grenzen sind groß: 17 Frauen, Laborwerte statt Infekte, und die Studie war ausdrücklich dazu gedacht, Hypothesen zu bilden. Ob Sperma Blasenentzündungen wahrscheinlicher macht, weiß man nicht.
Teilen Paare Keime?
Ja, und das ist normal. In einer US-Studie mit Paaren wurden E.-coli-Stämme, die eine Blasenentzündung ausgelöst hatten, etwa neunmal häufiger zwischen den Partnern geteilt als harmlose Stämme. Ansteckend wie eine Geschlechtskrankheit ist eine Blasenentzündung trotzdem nicht, und schuld ist niemand. Mehr dazu in Blasenentzündung und Partner.
Was ohne Kondom wegfällt, ist der Schutz vor Schwangerschaft und vor vielen sexuell übertragbaren Infektionen. Wenn es nach Sex ohne Kondom brennt, vor allem mit einem neuen Partner, denk deshalb auch an eine Geschlechtskrankheit (mehr dazu weiter unten). Vom Kondom abzuraten, um Blasenentzündungen zu vermeiden, wäre die falsche Folgerung.
Oralverkehr, Analverkehr, Sexspielzeug, Periode: Was ist bekannt?
Wenig. Für keine dieser Situationen haben wir eine gute Studie gefunden, die das Risiko für Blasenentzündungen gezielt untersucht hat. Was es gibt, sind einzelne Hinweise.
Oralverkehr
Eine Studie, die das Risiko für Blasenentzündungen nach Oralverkehr untersucht, haben wir nicht gefunden. In der Paarstudie oben teilten Paare mit Oralverkehr E.-coli-Stämme etwa doppelt so oft. Das zeigt, dass Keime ausgetauscht werden, nicht, dass dadurch Blasenentzündungen entstehen.
Analverkehr
Hier gibt es erste Hinweise. In einer Fall-Kontroll-Studie aus Indien war Analverkehr bei Frauen mit einer ersten Blasenentzündung deutlich häufiger als bei Frauen ohne (Odds Ratio 3,7, ein statistisches Maß für die Stärke eines Zusammenhangs). Die Studie stammt aus einer einzigen Klinik und beruht auf Befragungen, sie zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache. Naheliegend ist, das Kondom zu wechseln, bevor es von anal zu vaginal geht, untersucht ist das aber nicht. Was über die Reihenfolge bekannt ist, steht in Warum immer nach dem Sex eine Blasenentzündung?
Sexspielzeug
Zu Sexspielzeug und Blasenentzündungen haben wir keine Studie gefunden. Naheliegend ist dieselbe Überlegung wie beim Analverkehr: Spielzeug, das anal benutzt wurde, vor dem vaginalen Gebrauch reinigen oder ein frisches Kondom darüberziehen. Untersucht ist auch das nicht.
Sex während der Periode
Viele Paare haben auch während der Periode Sex. Eine Studie, die gezielt untersucht, ob das Blasenentzündungen wahrscheinlicher macht, haben wir nicht gefunden. In einer älteren Studie mit 495 gesunden Frauen war E. coli in der Scheide während der Periode häufiger nachweisbar, das ist eine Besiedelung, keine Infektion. Eine schwedische Studie fand Sex während der Periode und Analverkehr häufiger bei Frauen mit wiederkehrenden Blasenbeschwerden, ihre Urinkultur war aber negativ, ein Harnwegsinfekt war also nicht nachweisbar. Zu Tampons widersprechen sich zwei ältere Studien. Wenn du während der Periode einen Urintest machst, kann Menstruationsblut das Ergebnis verfälschen, mehr dazu in Teststreifen bei Blasenentzündung.
Und die übrige Verhütung?
Klar belegt ist ein höheres Risiko nur beim Diaphragma und bei Spermiziden, ob als Gel, Zäpfchen, Schaum oder Kondom-Beschichtung. Für Pille und Spirale ist kein relevanter Zusammenhang belegt, zu Vaginalring und Verhütungspflaster haben wir keine Studie gefunden, die Blasenentzündungen gezielt untersucht. Wenn du wechseln möchtest, dann zu einer gleich sicheren Methode und gemeinsam mit deiner Frauenärztin. Alle Methoden mit ihrer Studienlage findest du in Verhütung und Blasenentzündung.
Brennt es nach dem Sex? Blasenentzündung, Reizung oder Geschlechtskrankheit
Nicht jedes Brennen ist eine Blasenentzündung. Typisch für eine Blasenentzündung sind häufiger Harndrang, Brennen beim Wasserlassen und Schmerzen über dem Schambein.
Neuer oder veränderter Ausfluss spricht eher für eine Infektion im Genitalbereich, zum Beispiel Chlamydien, und gehört ärztlich abgeklärt. Das ist besonders nach Sex ohne Kondom oder mit einem neuen Partner ein Thema. Bei Chlamydien sollen alle Sexualpartner der letzten 60 Tage untersucht und mitbehandelt werden. Bei einer Blasenentzündung sehen die europäische und die deutsche hausärztliche Leitlinie keine Mitbehandlung des Partners vor. Auch eine Reizung oder Allergie der Haut kann brennen. Wenn die Beschwerden immer wiederkommen, also mindestens zweimal in sechs Monaten oder dreimal im Jahr, lass sie mit Urinkultur abklären. Ob und wann ihr während einer Blasenentzündung Sex haben könnt, steht in Sex bei Blasenentzündung.
Sofort zur Ärztin oder in eine Klinik geht es bei Fieber, Flankenschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen, bei Blut im Urin und in der Schwangerschaft.
Kondom und Harnröhrenöffnung: Was du kombinieren kannst
Ein Kondom und eine Abdeckung der Harnröhrenöffnung haben unterschiedliche Aufgaben. Das eine verhütet und schützt vor vielen Geschlechtskrankheiten, das andere deckt die Stelle ab, an die die Keime bei einer Blasenentzündung nach dem Sex gelangen.
Ein wirkstofffreies Harnwegspflaster wie PAVAOO® ist eine mechanische Barriere: Es ist für Frauen gedacht, bei denen Blasenentzündungen immer wieder mit dem Sex zusammenhängen. Es wird kurz vor dem Sex auf die äußeren Vulvalippen geklebt und beim Sex getragen. Es deckt die Harnröhrenöffnung mechanisch ab und lässt den Vaginaleingang frei. Das verringert beim Sex den Kontakt von Keimen mit der Harnröhrenöffnung und kann so die Wahrscheinlichkeit verringern, dass Keime in die Harnröhre gelangen.
Laut Gebrauchsanweisung kannst du das Pflaster zusammen mit einem Kondom verwenden. Zu anderer Verhütung macht sie keine Angabe. Wenn du anders verhütest, etwa mit Diaphragma, Spermizid-Gel oder Vaginalring, frag uns vorher gern direkt: info@pavaoo.com. Gleitgel auf Wasser- oder Silikonbasis kommt erst dazu, wenn das Pflaster sitzt, Öle und Cremes gar nicht, weil das Pflaster sonst nicht hält. Mit PAVAOO ist auch Sexspielzeug möglich, das Pflaster kann dabei aber verrutschen.
Das Pflaster ist kein Verhütungsmittel und schützt nicht vor Schwangerschaft oder sexuell übertragbaren Infektionen, es ersetzt das Kondom also nicht. Es ist kein Mittel bei einer akuten Blasenentzündung. Eine unabhängige Studie speziell zu PAVAOO gibt es noch nicht. Wir arbeiten daran. Die Haut an der Klebestelle sollte haarfrei, sauber und trocken sein. Wie du die Haut am besten vorbereitest, liest du in Pflaster im Intimbereich. Nicht geeignet ist es bei verletzter, gereizter, entzündeter, unregelmäßiger oder infizierter Haut an der Klebestelle, bei einer Allergie gegen Pflaster oder Bestandteile des Pflasters, bei Diabetes, Durchblutungsstörungen oder Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Psoriasis oder chronischen Ekzemen. In Schwangerschaft und Stillzeit bitte nur nach ärztlicher Absprache. Wie es angewendet wird, erklären wir in Pflaster gegen Blasenentzündung.
Das Pflaster ist eine Möglichkeit unter mehreren. Was die Leitlinie sonst zur Vorbeugung nennt, vom Trinken (wenn du bisher wenig trinkst) über Cranberry und D-Mannose bis zu Antibiotika, findest du in Blasenentzündung vorbeugen. Wann ein Antibiotikum infrage kommt, das nur im Zusammenhang mit dem Sex genommen wird, erklären wir in Antibiotikum nach dem Sex. Ob Pinkeln nach dem Sex hilft, klären wir in Nach dem Sex pinkeln.
PAVAOO Harnwegspflaster
Was das Kondom offen lässt, deckt das Pflaster ab: Es liegt beim Sex über deiner Harnröhrenöffnung, während das Kondom weiter für die Verhütung sorgt. Laut Gebrauchsanweisung lassen sich beide zusammen verwenden.
Medizinprodukt. Bitte Gebrauchsanweisung beachten.
Häufige Fragen
Kann man trotz Kondom eine Blasenentzündung bekommen?
Ja. Die Keime stammen meist aus dem eigenen Darm und gelangen beim Sex an die Harnröhrenöffnung. Ein Kondom umhüllt den Penis, deckt diese Stelle aber nicht ab.
Können Kondome eine Blasenentzündung verursachen?
Das ist nicht belegt. In einigen Studien war häufige Kondomnutzung mit mehr Harnwegsinfekten verbunden, die Ursache dafür ist aber unklar. Ein klarer Zusammenhang zeigte sich nur bei Kondomen mit Spermizid. Für Verhütung und den Schutz vor Geschlechtskrankheiten bleibt das Kondom wichtig.
Blasenentzündung nach Sex ohne Kondom: Woran liegt das?
Meist am Sex selbst: Durch Reibung können Bakterien aus dem eigenen Darm an die Harnröhrenöffnung gelangen, mit oder ohne Kondom. Eine kleine Studie deutet an, dass Sex ohne Kondom die natürliche Abwehr der Scheide gegen E. coli für einige Stunden schwächen könnte, Blasenentzündungen wurden dabei nicht gemessen. Brennt es und kommt neuer Ausfluss dazu, lass auch Geschlechtskrankheiten abklären.
Hilft ein latexfreies Kondom gegen Blasenentzündungen?
Eine Studie dazu haben wir nicht gefunden. Kondome aus Polyurethan oder Polyisopren sind sinnvoll, wenn einer von euch Latex nicht verträgt. Wichtiger als das Material ist nach heutigem Wissen, ob das Kondom mit Spermizid beschichtet ist.
Kann eine Latexallergie wie eine Blasenentzündung wirken?
Eine Reizung oder Allergie kann an der Vulva brennen und sich ähnlich anfühlen. Ein Zusammenhang mit Blasenentzündungen ist nicht belegt. Lass wiederkehrende Beschwerden ärztlich abklären.
Woran erkenne ich ein Kondom mit Spermizid?
Das Spermizid steht auf der Packung, meist als Nonoxinol-9, in englischer Schreibweise Nonoxynol-9. Im Zweifel hilft ein Blick in die Packungsbeilage oder eine Frage in der Apotheke. Warum es auf das Spermizid ankommt, erklärt der Abschnitt zu den Kondom-Typen oben.
Kann Oralverkehr eine Blasenentzündung auslösen?
Eine Studie, die das gezielt untersucht, haben wir nicht gefunden. In einer Paarstudie teilten Paare mit Oralverkehr E.-coli-Stämme etwa doppelt so oft. Das zeigt einen Austausch von Keimen, aber nicht, dass dadurch Blasenentzündungen entstehen.
Bekommt man nach Sex während der Periode eher eine Blasenentzündung?
Eine Studie, die das gezielt untersucht, haben wir nicht gefunden. In einer älteren Studie war E. coli in der Scheide während der Periode häufiger nachweisbar, das ist aber eine Besiedelung, keine Infektion. Bei typischen Beschwerden wie Brennen und häufigem Harndrang hilft ein Urintest. Menstruationsblut kann einen Teststreifen verfälschen, im Zweifel klärt die Ärztin es ab.
Quellen
- Fihn SD et al., Association between use of spermicide-coated condoms and Escherichia coli urinary tract infection in young women. Am J Epidemiol 1996;144:512-20 (abgerufen am 23.10.2026)
- Fihn SD et al., Use of spermicide-coated condoms and other risk factors for urinary tract infection caused by Staphylococcus saprophyticus. Arch Intern Med 1998;158:281-7 (abgerufen am 23.10.2026)
- Handley MA et al., Incidence of acute urinary tract infection in young women and use of male condoms with and without nonoxynol-9 spermicides. Epidemiology 2002;13:431-6 (abgerufen am 23.10.2026)
- Foxman B et al., Condom use and first-time urinary tract infection. Epidemiology 1997;8:637-41 (abgerufen am 23.10.2026)
- Foxman B et al., Risk factors for second urinary tract infection among college women. Am J Epidemiol 2000;151:1194-205 (abgerufen am 31.10.2026)
- Hooton TM et al., A prospective study of risk factors for symptomatic urinary tract infection in young women. N Engl J Med 1996;335:468-74 (abgerufen am 23.10.2026)
- Hooton TM et al., Escherichia coli bacteriuria and contraceptive method. JAMA 1991;265:64-9 (abgerufen am 31.10.2026)
- Nakra NA et al., Loss of innate host defense following unprotected vaginal sex. J Infect Dis 2016;213:840-7 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov (Volltext PMC4747617), abgerufen am 31.10.2026
- Eschenbach DA et al., Effects of vaginal intercourse with and without a condom on vaginal flora and vaginal epithelium. J Infect Dis 2001;183:913-8 (abgerufen am 31.10.2026)
- Foxman B et al., Uropathogenic Escherichia coli are more likely than commensal E. coli to be shared between heterosexual sex partners. Am J Epidemiol 2002;156:1133-40 (abgerufen am 31.10.2026)
- Mishra B et al., Behavioral and psychosocial risk factors associated with first and recurrent cystitis in Indian women: a case-control study. Indian J Community Med 2016;41:27-33 (abgerufen am 31.10.2026)
- Tchoudomirova K et al., History, clinical findings, sexual behavior and hygiene habits in women with and without recurrent episodes of urinary symptoms. Acta Obstet Gynecol Scand 1998;77:654-9 (abgerufen am 31.10.2026)
- Chow AW et al., Vaginal colonization with Escherichia coli in healthy women. Am J Obstet Gynecol 1986;154:120-6 (abgerufen am 31.10.2026)
- Foxman B, Frerichs RR, Epidemiology of urinary tract infection: II. Diet, clothing, and urination habits. Am J Public Health 1985;75:1314-7 (abgerufen am 31.10.2026)
- Strom BL et al., Sexual activity, contraceptive use, and other risk factors for symptomatic and asymptomatic bacteriuria. Ann Intern Med 1987;107:816-23 (abgerufen am 31.10.2026)
- Klingeberg A et al., The percentage of antibiotic resistance in uncomplicated community-acquired urinary tract infections. Dtsch Arztebl Int 2024;121:175-81 (abgerufen am 23.10.2026)
- Yamamoto S et al., Genetic evidence supporting the fecal-perineal-urethral hypothesis in cystitis caused by Escherichia coli. J Urol 1997;157:1127-9 (abgerufen am 31.10.2026)
- Gyftopoulos K et al., Clinical implications of the anatomical position of the urethra meatus in women with recurrent post-coital cystitis. Int Urogynecol J 2019;30:1351-7 (abgerufen am 31.10.2026)
- WHO/UNFPA/FHI360, Use and procurement of additional lubricants for male and female condoms. Advisory Note WHO/RHR/12.33, 2012 (abgerufen am 23.10.2026)
- Fisher AA, Condom dermatitis in either partner. Cutis 1987;39:281-5 (abgerufen am 23.10.2026)
- WHO, Fact sheet: Family planning/contraception methods 2025 (abgerufen am 31.10.2026)
- RKI, RKI-Ratgeber Chlamydiosen (Teil 1), Stand 23.12.2024 (abgerufen am 31.10.2026)
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Blasenentzündungen vorbeugen 2023 (abgerufen am 23.10.2026)
- DEGAM, Anwenderversion zur S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen, Stand 8/2025 (abgerufen am 23.10.2026)
- PAVAOO® Gebrauchsanweisung (SP-1919), IFU Version 1.2, Stand 01.12.2025