Honeymoon-Zystitis: Warum sie nicht nur in den Flitterwochen kommt
Honeymoon-Zystitis heißt die Blasenentzündung, die oft dann auftritt, wenn eine Beziehung frisch ist und ihr viel miteinander schlaft, ob in den Flitterwochen oder mit 50 in einer neuen Liebe. Hinter dem romantischen Namen stecken zwei belegte Risikofaktoren: häufiger Sex und ein neuer Partner. Dass sich dein Körper erst an ihn gewöhnen muss, ist dagegen nicht belegt.
Das Wichtigste in Kürze
- Honeymoon-Zystitis ist ein umgangssprachlicher Begriff für eine Blasenentzündung nach häufigem Sex, etwa zu Beginn einer Beziehung, und keine eigene Diagnose.
- Belegt sind zwei Bausteine: Je mehr Tage mit Sex, desto höher das Risiko, und ein neuer Partner im letzten Jahr war in einer Studie mit jungen Frauen ein eigener Risikofaktor.
- Dass sich der Körper erst an den Partner „gewöhnen" muss, ist nicht belegt; die Erreger stammen meist aus dem eigenen Darm.
- Kleine Studien zeigen, dass Sex ohne Kondom das Milieu in der Scheide noch Stunden danach verändert; dass Sperma Blasenentzündungen auslöst, ist damit nicht belegt.
- Typisch sind Schmerzen beim Wasserlassen und häufiger, starker Harndrang; bei Fieber oder Flankenschmerzen gehört das schnell in ärztliche Hände, bei Blut im Urin zeitnah.
Was ist eine Honeymoon-Zystitis? Ein umgangssprachlicher Begriff für eine Blasenentzündung nach häufigem Sex, etwa zu Beginn einer Beziehung. Es ist keine eigene Diagnose. Medizinisch ist es eine ganz normale Blasenentzündung, meist eine unkomplizierte.
Was du schon vor dem Sex tun kannst, ohne Wirkstoff, steht weiter unten.
Woher der Begriff Honeymoon-Zystitis kommt
Der Begriff taucht seit Jahrzehnten in der Fachliteratur auf: belegt seit mindestens 1968, damals als „honeymoon urethritis", ab 1978 dann als „honeymoon cystitis". Manchmal liest man auch „Flitterwochenkrankheit". Dahinter steht eine einfache Beobachtung: Wer frisch verliebt ist und oft Sex hat, bekommt öfter Blasenentzündungen.
In den aktuellen Leitlinien kommt der Begriff nicht als eigene Diagnose vor. Und eine Studie, die gezielt Blasenentzündungen in den Flitterwochen untersucht hätte, ist uns nicht bekannt. Belegt sind nur die Bausteine dahinter: wie oft ihr Sex habt und ob der Partner neu ist. Beides schauen wir uns gleich genauer an.
Woran du eine Honeymoon-Zystitis erkennst und was dann wichtig ist
Eine Honeymoon-Zystitis fühlt sich an wie jede Blasenentzündung: Es brennt oder schmerzt beim Wasserlassen, und du musst häufig und dringend auf die Toilette. Laut deutscher Leitlinie ist ein Harnwegsinfekt sehr wahrscheinlich, wenn eine Frau diese Beschwerden hat oder ihn selbst vermutet. Du kennst deinen Körper, und das zählt auch in der Praxis.
Oft beginnt es kurz nach dem Sex. In einer kleinen Studie mit 15 Frauen mit wiederkehrenden Infekten traten 12 von 16 Infekten innerhalb von 24 Stunden danach auf. Mehr zum zeitlichen Ablauf steht in Blasenentzündung nach dem Sex.
Nicht jedes Brennen ist eine Blasenentzündung. Juckreiz oder Brennen in der Scheide und neuer oder veränderter Ausfluss sprechen eher für etwas anderes, etwa einen Scheidenpilz oder eine sexuell übertragbare Infektion wie Chlamydien. Das gehört ärztlich abgeklärt, und ein Test sagt nichts über eure Beziehung. Ein Urin-Teststreifen kann einen Hinweis geben, ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion aber nicht aus. Wie du ihn richtig liest, erklären wir in Blasenentzündung: Teststreifen.
Was die Leitlinie zur Behandlung sagt
Eine unkomplizierte Blasenentzündung klingt bei 30 bis 50 von 100 Frauen innerhalb einer Woche auch ohne Antibiotikum ab (IQWiG). Das ist kein Aufruf zum Aussitzen, sondern eine Grundlage für das Gespräch mit deiner Ärztin.
Die deutsche Leitlinie nennt für die akute unkomplizierte Blasenentzündung mehrere Antibiotika. Sie empfiehlt außerdem, eine Behandlung allein mit einem Schmerzmittel wie Ibuprofen als Alternative zu erwägen, außer bei Frauen über 80 und Frauen über 70 mit mehr als zwei chronischen Erkrankungen. Die Beschwerden dauern damit im Schnitt etwas länger. In den Studien kam es ohne Antibiotikum außerdem etwas häufiger zu einer Nierenbeckenentzündung. Was die Studien dazu zeigen, steht in Blasenentzündung ohne Antibiotika: Ibuprofen. Welcher Weg zu dir passt, entscheidest du gemeinsam mit deiner Ärztin.
Und der Sex? Ob und wann ihr wieder miteinander schlafen könnt, regelt keine der geprüften Leitlinien. Die beste Orientierung sind deine Beschwerden, mehr dazu in Sex bei Blasenentzündung.
Ein Harnwegspflaster hilft dir in dieser Phase nicht: Es ist kein Mittel bei einer akuten Blasenentzündung. Es ist für die Zeit danach gedacht, wenn die Entzündung abgeheilt ist und Blasenentzündungen immer wieder nach dem Sex kommen, und auch dann nur vor dem Sex. Bei Fieber, Flankenschmerzen oder Übelkeit geht es schnell zur Ärztin, bei Blut im Urin oder in der Schwangerschaft zeitnah, die Übersicht steht im Abschnitt „Wann du zur Ärztin solltest".
Häufiger Sex: Je öfter, desto höher das Risiko
Beim Sex können Bakterien aus dem eigenen Darm über den Damm und den Vaginaleingang an die Harnröhrenöffnung gelangen. Bei Frauen ist der Weg von dort in die Blase kurz. Je häufiger das passiert, desto öfter haben die Keime die Gelegenheit dazu.
Das zeigen auch Studien. In einer US-Studie mit fast 800 jungen Frauen, die gerade mit einer neuen Verhütung begonnen hatten und ein halbes Jahr lang Tagebuch führten, stieg das Risiko mit der Zahl der Tage mit Sex in der Vorwoche. In der Gruppe der Studentinnen war es bei einem Tag mit Sex etwa 1,4-mal, bei drei Tagen 2,6-mal und bei fünf Tagen 4,8-mal so hoch wie ohne Sex. In der zweiten Gruppe, Frauen aus einer US-Krankenversicherung, war der Anstieg kleiner, aber ebenfalls deutlich.
Sex ist dabei ein Auslöser, kein Fehlverhalten. Wie die Anatomie dahinter aussieht und warum es manche Frauen öfter trifft als andere, erklären wir in Warum immer nach dem Sex eine Blasenentzündung?
Nicht immer E. coli: ein Erreger, der junge Frauen öfter trifft
Meist steckt das Darmbakterium E. coli dahinter: In einer bundesweiten deutschen Studie fand es sich in 75,4 % der positiven Urinkulturen. Bei Mädchen und jungen Frauen im Teenageralter spielt ein zweiter Erreger eine größere Rolle, Staphylococcus saprophyticus. Laut Leitlinie wurde er bei ihnen in bis zu 30 % der Harnwegsinfekte nachgewiesen.
Infekte durch diesen Erreger waren in einer US-Studie mit jungen Frauen besonders stark mit spermizidbeschichteten Kondomen verbunden. In einem nordschwedischen Gesundheitszentrum, ausgewertet über ein Jahr, traten sie gehäuft im Spätsommer auf: Im August ging dort gut jede vierte Episode auf ihn zurück, betroffen waren Frauen zwischen 15 und 64. Die Zahl beruht allerdings auf wenigen Fällen. Die Beschwerden sind die gleichen wie bei E. coli. Ein Unterschied betrifft den Teststreifen: Nicht alle Erreger bilden Nitrit, bei diesem bleibt das Nitrit-Feld oft negativ. Welcher Erreger es ist, zeigt nur eine Urinkultur im Labor.
Neuer Partner, neue Beziehung: Was belegt ist
Ein neuer Partner ist ein eigener Risikofaktor, auch wenn man herausrechnet, wie oft ein Paar Sex hat. Warum das so ist, weiß bisher niemand.
Eine Studie aus Seattle (USA) hat das genauer untersucht. Verglichen wurden 229 junge Frauen zwischen 18 und 30 mit wiederkehrenden Blasenentzündungen und 253 zufällig ausgewählte Frauen ohne solche Infekte. Mehrere Faktoren waren dabei unabhängig voneinander mit Rückfällen verbunden. Unabhängig heißt: Der neue Partner blieb ein Risikofaktor, auch wenn man die übrigen Faktoren, etwa die Häufigkeit des Sex, berücksichtigte.
| Faktor in der Studie | Stärke des Zusammenhangs (Odds Ratio) | Was das für dich heißt |
|---|---|---|
| Häufiger Sex im letzten Monat (4- bis 8-mal) | 5,8 | Der stärkste Faktor in dieser Studie. |
| Neuer Partner im letzten Jahr | 1,9 | Als Risikofaktor belegt, der Grund ist ungeklärt. |
| Spermizide in den letzten 12 Monaten | 1,8 | Ob ein Wechsel der Verhütung infrage kommt, besprichst du mit deiner Ärztin. |
| Erste Harnwegsinfektion mit 15 Jahren oder früher | 3,9 | Nicht beeinflussbar, spricht für Veranlagung oder lange wirkende Einflüsse. |
| Mutter mit Harnwegsinfekten | 2,3 | Ebenfalls nicht beeinflussbar, auch hier vermuten die Autoren Veranlagung oder lange wirkende Umwelteinflüsse. |
Eine Odds Ratio von 1,9 heißt vereinfacht: Unter Frauen mit Rückfällen war die Chance, im letzten Jahr einen neuen Partner gehabt zu haben, knapp doppelt so hoch wie unter Frauen ohne. Das ist ein Zusammenhang, keine bewiesene Ursache. Die Blutgruppe hing in derselben Studie nicht mit Rückfällen zusammen.
Eine ältere Studie mit Studentinnen fand einen schwachen Zusammenhang zwischen einer neuen sexuellen Beziehung in den vier Wochen davor und einer Blasenentzündung. Die europäische Urologen-Leitlinie von 2026 führt den neuen Sexualpartner in ihrer Tabelle der Risikofaktoren. Zu Beginn einer Beziehung kommt also oft beides zusammen: viel Sex und ein neuer Partner. Welche Verhütungsmethoden mit einem höheren Risiko verbunden sind, steht in Verhütung und Blasenentzündung.
Mythos „Gewöhnung an den Partner": Was die Studien sagen
Fast überall liest man, die Scheidenflora oder das Immunsystem müsse sich erst an die Bakterien des neuen Partners gewöhnen. Das klingt plausibel, ist aber nicht belegt. Eine Studie, die das gezeigt hätte, gibt es nach unserer Recherche nicht.
Die Keime stammen meist aus deinem eigenen Darm, nicht vom Partner. In einer kleinen genetischen Studie dominierte der Stamm aus der Blase bei 7 von 9 Frauen auch ihre Darmflora. Eine Blasenentzündung ist keine Geschlechtskrankheit.
Ist der Mann oder sein Sperma schuld?
Nein, Schuld hat hier niemand. Paare tauschen aber Keime aus, und Sex ohne Kondom verändert das Milieu in der Scheide noch Stunden danach, Samenflüssigkeit spielt dabei vermutlich eine Rolle. Dass das Blasenentzündungen auslöst, ist nicht belegt.
Was über Sperma bekannt ist
Die Scheide ist normalerweise leicht sauer, Samenflüssigkeit ist eher basisch. In einer Studie mit 56 Frauen in Zentralafrika war der pH-Wert in der Scheide umso höher, je mehr Bestandteile von Samenflüssigkeit sich nachweisen ließen. In einer kleinen US-Studie mit 17 Frauen stieg der pH-Wert nach Sex ohne Kondom ebenfalls an. Gleichzeitig hemmte die Scheidenflüssigkeit E. coli 2 bis 6 Stunden danach deutlich schwächer als vorher, und auch 10 bis 14 Stunden danach war die Hemmung noch gering. Nach Sex mit Kondom ließ die Hemmung ebenfalls nach, aber weniger stark. Die Paare waren seit über einem halben Jahr zusammen, um neue Partner ging es hier also nicht. Im Labor förderte Samenflüssigkeit das Wachstum von E. coli. Die Autorinnen und Autoren sehen darin einen möglichen Grund, warum sich E. coli nach dem Sex leichter in der Scheide ansiedeln kann.
Eine zweite kleine US-Studie teilte 42 Frauen per Los ein: Sie hatten einmal Sex ohne Kondom oder mit einem gleitbeschichteten Kondom ohne Spermizid. Ohne Kondom fanden sich 8 bis 12 Stunden später deutlich mehr E. coli in der Scheide und in geringer Menge mehr im Urin als vorher. Mit Kondom gab es ebenfalls einen Trend zu mehr E. coli und deutlich mehr andere Darmbakterien.
Was heißt das für euch? Sex bringt Darmbakterien nach vorn, mit und ohne Sperma. Samenflüssigkeit könnte die Bedingungen für sie kurzfristig verbessern. Das sind Hinweise auf einen Mechanismus aus sehr kleinen Studien, kein Beleg dafür, dass Sperma eine Blasenentzündung auslöst. Dazu passt, dass Kondome in Studien nicht nachweislich vor Blasenentzündungen schützen, mehr dazu in Blasenentzündung trotz Kondom. Hygieneregeln für euch beide lassen sich daraus nicht ableiten.
Was über den Mann bekannt ist
Paare teilen Keime: In einer Paarstudie aus den USA wurden infektauslösende E.-coli-Stämme etwa neunmal häufiger zwischen den Partnern geteilt als harmlose. Daraus folgt weder Schuld noch eine Behandlung für ihn. Keine der geprüften Leitlinien sieht vor, den Partner bei einer Blasenentzündung mitzubehandeln. Hat er selbst Beschwerden beim Wasserlassen, gehört er als eigener Patient in eine Praxis. Bei Männern sind Harnwegsinfekte deutlich seltener. Was das für euch als Paar bedeutet und wie ihr darüber sprecht, erklären wir in Ist eine Blasenentzündung ansteckend?
Auf einen Blick: was belegt ist und was nicht
| Aussage | Stand der Forschung |
|---|---|
| Häufiger Sex erhöht das Risiko. | belegt |
| Ein neuer Partner ist ein Risikofaktor. | belegt, der Grund ist ungeklärt |
| Der Körper muss sich an den Partner gewöhnen. | nicht belegt |
| Sperma löst Blasenentzündungen aus. | nicht belegt, kleine Studien zeigen nur veränderte Bedingungen in der Scheide nach Sex ohne Kondom |
| Ein Kondom verhindert Blasenentzündungen. | nicht belegt |
| Der Partner muss mitbehandelt werden. | keine der geprüften Leitlinien sieht das vor |
| Das gibt sich mit der Zeit von selbst. | nicht belegt, versprechen kann das niemand |
| Eine Honeymoon-Zystitis ist eine eigene Krankheit. | stimmt nicht, es ist ein umgangssprachlicher Begriff |
Nicht nur in den Flitterwochen: Nähe in jedem Alter
Der Name lässt an junge Paare denken. Doch eine neue Beziehung kann mit 25 beginnen oder mit 50. Und auch nach den Wechseljahren bleibt Sex ein Auslöser: In einer US-Tagebuchstudie mit 913 Frauen nach den Wechseljahren war das Risiko am zweiten Tag nach dem Sex etwa 3,4-mal so hoch, zu anderen Zeitpunkten nicht.
Nach den Wechseljahren kommen weitere Ursachen hinzu, etwa der Rückgang der Östrogenbildung, eine Senkung der Blase oder Restharn. Wiederkehrende Infekte werden in dieser Lebensphase häufiger. Eine Option speziell für diese Zeit ist Östrogen, das in der Scheide angewendet wird. Es ist rezeptpflichtig, also eine Entscheidung mit deiner Ärztin. Alles Weitere steht in Blasenentzündung in den Wechseljahren.
Honeymoon-Zystitis vorbeugen: was belegt ist und was nicht
Einen sicheren Schutz gibt es nicht. Bei wiederkehrenden Blasenentzündungen empfiehlt die deutsche Leitlinie zuerst eine ausführliche Beratung, danach kommen verschiedene Wege infrage. Die Tabelle zeigt den Stand der Forschung je Maßnahme. Sie ist kein Ranking, denn die Studien sind zu unterschiedlich, um sie direkt zu vergleichen.
| Maßnahme | Was die Studien zeigen | Einordnung |
|---|---|---|
| Nach dem Sex pinkeln | Die Leitlinie nennt die Datenlage widersprüchlich. Schaden tut es nicht. | unklar → Nach dem Sex pinkeln |
| Kondom | Schützt vor Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten, aber nicht nachweislich vor Blasenentzündungen. | als Vorbeugung gegen Blasenentzündungen nicht belegt |
| Auf Spermizide verzichten | Spermizide sind mit einem höheren Risiko verbunden, ein Wechsel der Verhütung kann versucht werden. | Risikofaktor belegt |
| Mehr trinken | Hilft Frauen mit häufigen Infekten, die bisher wenig trinken (unter 1,5 Liter am Tag). | für diese Gruppe belegt |
| Cranberry-Präparate | Laut Cochrane-Analyse 2023 etwa ein Viertel geringeres Risiko für eine Blasenentzündung bei Frauen mit wiederkehrenden Infekten, nur während der Einnahme. | belegt, moderate Vertrauenswürdigkeit → Cranberry |
| D-Mannose | In der bislang größten placebokontrollierten Studie (598 Frauen) nicht weniger Infekte als mit Placebo. | unklar → D-Mannose |
| Immunpräparat zum Einnehmen | Die deutsche Leitlinie empfiehlt, es vor einer antibiotischen Langzeitvorbeugung anzubieten. Ein Vorteil ist über bis zu sechs Monate belegt. | kurzfristig belegt, Studienlage uneinheitlich → Impfung gegen Blasenentzündung |
| Methenamin | Wirkt anders als klassische Antibiotika, war in einer Studie einer täglichen Antibiotika-Niedrigdosis nicht unterlegen. Rezeptpflichtig. | belegt (eine randomisierte Studie mit 240 Frauen) → Methenamin |
| Antibiotikum nach dem Sex | Leitliniengerechte Option, wenn die Infekte mit dem Sex zusammenhängen. Wirkt nur während der Anwendung, Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden oder Scheidenpilz kommen recht häufig vor. | belegt, ärztliche Entscheidung → Antibiotikum nach dem Sex |
Alle Wege im Überblick, mit einem Stufenplan für das Gespräch in der Praxis, findest du in Blasenentzündung vorbeugen.
Das Harnwegspflaster: vorher aufgeklebt, beim Sex getragen
Ein wirkstofffreies Harnwegspflaster wird kurz vor dem Sex auf die äußeren Vulvalippen geklebt und beim Sex getragen. Es deckt die Harnröhrenöffnung mechanisch ab und lässt den Vaginaleingang frei. Das verringert den Kontakt von Keimen mit der Harnröhrenöffnung beim Sex und kann so die Wahrscheinlichkeit verringern, dass sie dorthin gelangen. Gedacht ist es für Frauen, bei denen Blasenentzündungen immer wieder im Zusammenhang mit Sex auftreten. Gebraucht wird es nur an Tagen mit Sex, nicht jeden Tag. Jedes Pflaster wird nur einmal verwendet.
Laut Gebrauchsanweisung kannst du PAVAOO® zusammen mit einem Kondom verwenden. Zu anderer Verhütung macht sie keine Angabe. Wenn du anders verhütest, frag uns vorher gern direkt: info@pavaoo.com. Das Pflaster ist kein Verhütungsmittel, schützt nicht vor Geschlechtskrankheiten und ist kein Mittel bei einer akuten Blasenentzündung. Eine unabhängige Studie speziell zu PAVAOO gibt es noch nicht. Wir arbeiten daran, mehr dazu in unserem Statement zur Studienlage.
Die Haut an der Klebestelle sollte haarfrei, sauber und trocken sein. Wie du die Haut am besten vorbereitest, liest du in Pflaster im Intimbereich. Nicht geeignet ist es bei verletzter, gereizter, entzündeter, unregelmäßiger oder infizierter Haut an der Klebestelle, bei einer Allergie gegen Pflaster oder Bestandteile des Pflasters, bei Diabetes, Durchblutungsstörungen oder Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Psoriasis oder chronischen Ekzemen. In Schwangerschaft und Stillzeit nur nach ärztlicher Absprache. Wie es genau sitzt, erklären wir in Pflaster gegen Blasenentzündung?
PAVAOO Harnwegspflaster
Ob Flitterwochen oder erster gemeinsamer Urlaub: Die Pflaster sind einzeln verpackt, ein paar reisen einfach im Kulturbeutel mit. Wenn deine Blasenentzündungen immer wieder mit Sex zusammenhängen, klebst du eins auf die äußeren Vulvalippen, bevor ihr miteinander schlaft.
Medizinprodukt. Bitte Gebrauchsanweisung beachten.
Wann du zur Ärztin solltest
Mit typischen Beschwerden und ohne Warnzeichen genügt oft die Hausarztpraxis, du kannst dich aber auch an eine gynäkologische oder urologische Praxis wenden. In manchen Situationen sollte es schneller gehen:
| Situation | Was du tun solltest |
|---|---|
| Fieber, Flankenschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen | schnell in eine Praxis oder ein Krankenhaus, das kann auf eine Nierenbeckenentzündung hinweisen |
| Sichtbares Blut im Urin | zeitnah ärztlich abklären lassen |
| Schwangerschaft | immer zur Ärztin, die Infektion gilt dann nicht als unkompliziert |
| Beschwerden klingen nicht ab | ärztlich abklären lassen |
| Juckreiz, Brennen in der Scheide, neuer Ausfluss | spricht eher für eine andere Infektion, eigene Abklärung nötig |
| Mindestens zwei Infekte in sechs Monaten oder drei im Jahr | Abklärung der wiederkehrenden Infekte, eine Urinkultur sichert die Diagnose |
| Er hat Beschwerden beim Wasserlassen | eigene Praxis für ihn, mit Urinkultur und Untersuchung |
Bei wiederkehrenden Infekten braucht es bei jüngeren Frauen ohne Risikofaktoren meist keine aufwendigen Untersuchungen, etwa eine Blasenspiegelung. Die europäische Leitlinie rät bei Frauen unter 40 ohne Risikofaktoren von einer ausgedehnten Routineabklärung ab. Was in der Praxis passiert und welche Fragen du mitnehmen kannst, steht in Chronische Blasenentzündung.
Häufige Fragen
Was ist eine Honeymoon-Zystitis?
Ein umgangssprachlicher Begriff für eine Blasenentzündung nach häufigem Sex, etwa zu Beginn einer Beziehung. Eine eigene Diagnose ist es nicht. Medizinisch ist es eine ganz normale Blasenentzündung, meist eine unkomplizierte.
Warum bekomme ich mit einem neuen Partner öfter Blasenentzündungen?
Ein neuer Partner ist in Studien ein Risikofaktor, warum, ist nicht geklärt. Dazu kommt, dass es zu Beginn einer Beziehung oft mehr Sex gibt, ebenfalls ein Risikofaktor. Dass sich der Körper erst an den Partner gewöhnen muss, ist nicht belegt.
Wie lange dauert eine Honeymoon-Zystitis?
So lange wie jede unkomplizierte Blasenentzündung. Bei 30 bis 50 von 100 Frauen klingt sie innerhalb einer Woche auch ohne Antibiotikum ab. Mit einem Antibiotikum sind die Beschwerden in Studien meist schneller vorbei. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, besprichst du mit deiner Ärztin.
Ist eine Honeymoon-Zystitis gefährlich?
Meist nicht. Bleibt die Infektion auf die Blase begrenzt, sind laut Leitlinie auch bei wiederholten Episoden keine schweren Komplikationen zu erwarten. Belastend kann sie trotzdem sein. Fieber, Flankenschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen können aber auf eine Nierenbeckenentzündung hinweisen, dann geht es schnell zur Ärztin oder ins Krankenhaus.
Honeymoon-Zystitis trotz Kondom: Woran liegt das?
Kondome schützen vor Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten, aber nicht nachweislich vor Blasenentzündungen. In einer kleinen Studie fanden sich auch nach Sex mit Kondom mehr Darmbakterien in der Scheide als vorher. Sex an sich bringt die Keime also nach vorn. Spermizidbeschichtete Kondome sind sogar mit einem höheren Risiko verbunden.
Bekommt man im Urlaub oder in den Flitterwochen eher eine Blasenentzündung?
Eine Studie speziell zu Flitterwochen oder Urlaub ist uns nicht bekannt. Belegt ist, dass mehr Tage mit Sex das Risiko erhöhen, und im Urlaub ist oft mehr Zeit für Nähe. Zur Jahreszeit: In britischen Hausarztdaten gab es keinen Winter-Gipfel, der Gipfel der Arztbesuche wegen Harnwegsinfekten bei 14- bis 69-Jährigen zwischen September und November. Ob Kälte oder Baden eine Rolle spielen, erklären wir in Blasenentzündung durch Kälte?
Was tun, wenn die Honeymoon-Zystitis immer wieder kommt?
Lass sie ärztlich abklären, spätestens ab zwei Infekten in sechs Monaten oder drei im Jahr. Für die Vorbeugung gibt es mehrere Wege, von nicht-antibiotischen Optionen bis zu Antibiotika. Hängen die Infekte mit dem Sex zusammen, kommt auch eine einmalige Einnahme nach dem Sex statt einer Dauereinnahme infrage.
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